Bonneville-Party in Bickenhill (Archivversion)

Good Vibrations

In England zelebrierten Triumph-Fans den 40. Jahrestag des Weltrekords auf dem Salzsee in Utah - die Geburtsstunde der Bonneville.

Es rumpelt und donnert, als am Sonntagmorgen des 8. September Hunderte von Triumph auf das Gelände des National Motorcycle Museum nahe Birmingham rollen. Ein älterer Herr entsteigt gut gelaunt einem Seitenwagen. Es ist Jack Wilson aus Dallas, Texas, ein berühmter Mann in Triumph-Kreisen und heuer gekommen, um sich im Kreise seiner Verehrer zu sonnen. Schließlich war er es, der den 650 cm3-Zweivergaser-Motor für Stormy Manghams vollverkleideten »Pfeil des Teufels« rekordfähig machte. Das war vor 40 Jahren auf dem Salzsee in Utah, in der Nähe des Städtchens Bonneville, wo der 27jährige Johnny Allen am Morgen des 6. September 1956 mit der röhrenden Zigarre stolze 214 mph (344 km/h) markierte. Eigentlich Weltrekord für zweirädrige Landfahrzeuge, doch die europäische FIM-Leitung legte sich quer und verweigerte die offizielle Anerkennung. Mit fadenscheinigen Argumenten, wollten die Funktionäre doch allen Ernstes die hochmodernen elektronischen Apparaturen der Amis zur Zeitnahme nicht anerkennen. Zumal dann die soeben aufgestellte Bestleistung von Wilhelm Herz auf der NSU Delphin 3-Rekord pulverisiert worden wäre.Der Publicity des Triumph-Rekordfahrzeugs und seiner Erbauer freilich tat dies keinen Abbruch. Der neue Zweivergaser-Kopf war im Sommer 1958 der Renner für Triumph-Tuningfreaks, und Bikes der 650er Triumph-Twinserie verkauften sich in den USA wie geschnitten Brot. Ein Serienmodell mit zwei Vergasern und passendem Namen mußte also schleunigst her. »Das Ding wird uns schnurstracks in den Ruin treiben« verkannte Triumph-Boss Turner im August 1958 die Lage, als ihm die Entwicklungsabteilung einen ersten leistungsgesteigerten Zweivergaser-Prototyp präsentierte. Doch er lenkte schließlich ein. Zum Ruhm von Allens Beinahe-Weltrekordfahrt wurde die Neue »Bonneville« getauft. Sie etablierte sich bald als beliebtestes, weil schnellstes Serienmotorrad der frühen 60er Jahre. Fast 30 Jahre gebaut, nach der Schließung des Werkes in Meriden noch von Lizenznehmer Les Harris ab 1985 in Newton Abbott zusammengeschraubt, verließ am 9. März 1988 die letzte Bonnie mit der Nummer 001258 das Band. Beim Fest der Bonneville-Fans waren sie wieder da, die »Good Vibrations«. Geladen vom britischen Triumph Owners Club durften die Gäste aus ganz Europa dem »Pfeil des Teufels« über die Kunstoffhaut streicheln. Aber nicht nur das, sie konnten ihre Zuneigung auch Motorrädern aus sämtlichen Produktionsjahren entgegenbringen. Und der Prominenz, sofern noch unter den Lebenden weilend, ihre Achtung zeigen. Als da wären: Riva Allen, Witwe des verstorbenen Rekordpiloten, oder Heinz Herz, in Vertretung seines berühmten Vaters und NSU-Rekordfahrers Wilhelm Herz angereist. Auch Percy Tait war gekommen, smarter Ex-Triumph-Testfahrer und passionierter Schafzüchter; er erfreut sich besonders an einer der ausgestellten Thruxton Bonnevilles, mit der er 1964 zum gleichnamigen 500 Meilen-Rennen und 1966 in Brands Hatch erfolgreich an den Start ging. Etliche ehemalige Mitarbeiter wie Hughie Hancox, Konstrukteur David Green sowie Designer Jack Wickes, der auch die unverkennbaren Tankwappen entwarf, erfreuten sich ebenfalls an dem zwanglosen, gut organisierten Treffen.Am Spätnachmittag trompeten die letzten Bonnie-Piloten gen Heimat. Der Urahn, auf den mit unzähligen Pints angestoßen wurde, stand bald darauf wieder an seinem Stammplatz im Museum. Cheers, old boy, see you in ten years.
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