Daytona Bike Week 1996 (Archivversion)

Fred is back

Wild waren die 60er und einer der wildesten war damals Sigi Güttner. Alias Fred Guttner machte er zwischen 1962 und 1972 die Rennstrecken in den USA unsicher, darunter den legendären Speedway von Daytona, auf dem er 1966, in hoffnungsvoller Position liegend, von einem gebrochenen Kolbenring an seiner Harley-Davidson-Aermacchi CRTT 250 aus dem Rennen gerissen wurde.Sechs Jahre später wurde er Fünfter über die 200 Meilen, weitere vier Jahre danach heuerte er bei MOTORRAD an - doch die schwäbische Seele fand keine Ruhe. Sie trieb ihn nächtelang in die Werkstatt, bis wieder eine Aermacchi bereitstand für die Jagd im Oval, den entgangenen Lorbeer doch noch zu holen. Die Gelegenheit dazu bieten Oldtimerrennen, die jedes Jahr zu Beginn der Speed Week stattfinden.So kam Fred zurück und knatterte mit seinem Single wieder an den Start. Doch urplötzlich löste sich eine Verkleidungsschraube, die wohl während der Hektik an der Box nicht mehr festgezogen wurde - die vielen Schwätzle mit alten Kumpels hatten die Fertigstellung der Rennmaschine enorm verzögert. Bis Mechaniker »Moischter« (Meister), der eigentlich Karl heißt, mit passendem Schraubenzieher parat stand, war das Feld schon aus der Einführungsrunde zurück - egal. Sigi nahm Aufstellung in Reihe fünf.Beim Losfahren war die Trockenkupplung kaum zu bändigen, weshalb Reihe sechs und sieben passieren konnten, bis Sigi endlich in Schwung kam. Die meisten erwischte er aber wieder - Rang vier im Ziel. »Ein Muggaseggele (die Winzigkeit am Mückenpenis) hat mir an der Übersetzung gfehlt, wegen dem Rückenwind auf der Zielgeraden«, kommentierte Sigi seine Darbietung.Tags darauf beim zweiten Rennen klappte der Start besser, aber weil die passende Übersetzung immer noch in Frickenhausen auf der Werkbank lag und der Wind diesmal noch stärker blies, kam Sigi mit einer Drehzahl jenseits von Gut und Böse an den Boxen vorbei, dafür in Führung mit gut fünf Sekunden Vorsprung. Im Lauf des Rennens wurden es deren 35, bis Sigi - taktisch klug - in den letzten Runden den Motor schonte und mit 22 Sekunden Vorsprung siegte. Aber die Seele hat immer noch kein Ruh.
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