Die Eiseiligen (Archivversion)

Die Eiseiligen

Drei MOTORRADler auf Schwarzwaldfahrt

Fühlt sich ganz so an, als sei meine Gesichtsmaske nicht ganz dicht«, stammelt Georg übel bibbernd vor sich hin. »Sieht man«, grinst Holger, dessen Lachen subito zu Eis erstarrt. »Da wächst ein Zapfen raus.« Erlend reibt sich die Hände, als wolle er Kuchen machen: »Verdammt taubes Gefühl.« Es war, deucht den drei Eiseiligen, wahrlich ‘ne Schnapsidee, mit Yamaha Fazer sich an den 500 Kilometern der Schwarzwaldfahrt zu versuchen. Denn bei minus 13 Grad muß morgens um fünf an diesem 30. Januar erst mal Hochprozentiges ran. Spiritus und Zippo, ums Schloß zu enteisen. Nach einer halben Stunde Zündels dräut beim Anfahren die Erkenntnis: Es geht noch immer nicht voran. Null Grip. Wegen Sportreifen mit knapp zwei Millimeter Profil. Schon ein Prozent Steigung ist zuviel und der Schwarzwald, bekanntermaßen, der Berge reich. Und die Konkurrenz, meist auf drei Rädern unterwegs, erweist sich als ultrahart. Biker, wie sie im Buche stehen. Mit wind- und wettergegerbter Haut, wärmendem Haarfilz im Gesicht und mit Händen, die zupacken können. Etwa Holzscheite sägen, eine der vielen Sonderaufgaben dieser traditionell vom MSC Pforzheim ausgeschriebenen Orientierungsfahrt. Dennoch erweist sich das MOTORRAD-Team als mit Abstand stärkstes im Feld. An die 300 PS. Dumm nur, daß mit der Power verdammt wenig anzufangen ist. Die Mopeds stellen sich alle naselang quer. Läuft’s ausnahmsweise mal, ist es gleich zu kalt. Dann heißt’s absteigen, sich bewegen, um Erfrierungen zu vermeiden. Am Ziel in Schömberg kommen die MOTORRADler als gute Letzte ihrer Klasse an. Worauf Service-Redakteur Holger Hertneck, der anno 1993 bei den Solomotorrädern über 34 PS schon mal einen Sieg einfahren konnte, sich fürs nächste Mal vornimmt, vorher den Wetterbericht zu studieren.
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote