Die Firma: Polaris Industries (Archivversion)

Die Firma: Polaris Industries

Während der Name Polaris hierzulande nur wenigen bekannt sein dürfte, ist die Firma im amerikanischen Freizeitmarkt eine feste Größe. Drei Produktlinien bilden das Rückgrat des neuen Motorradherstellers: All Terrain Vehicles, kurz ATV genannt - vierrädrige Fahrzeuge mit Ballonreifen, langen Federwegen und Moto Cross-ähnlichen Fahreigenschaften -, Snowmobile und sogenannte Personal Watercraft, zumeist zweisitzige Wassersportfahrzeuge mit einem motorradähnlichen Lenker. Polaris gilt als Pionier der Snowmobile; die Gebrüder Hetteen in Roseau, Minnesota kurz vor der kanadischen Grenze ansässig, erfanden 1954 das Schnee-Fahrzeug. Es war ein motorgetriebener Schlitten mit Kettenantrieb und lenkbaren Kufen, angetrieben von einem Einzylinder-Zweitaktmotor. Das Snowmobil erwies sich in dem fünf Monate währenden, strengen Winter schnell als das ideale Gefährt und ist heute aus den Nordstaaten der USA und aus Kanada nicht mehr wegzudenken. Polaris Industries, hervorgegangen aus der Firma Hetteen, Hoist & Derrick, die seit Mitte der 40er Jahre allerlei landwirtschaftliches Gerät produzierte, erlebte mit der neuen Erfindung ein rasantes Wachstum. Damals war allerdings noch nicht abzusehen, daß Polaris einmal zu einem der größten Hersteller von Freizeitsportgeräten avancieren würde. 1997 verkaufte er yyyyy Snowmobile, über 75000 ATVs und knapp vvv 000 Personal Watercraft. Der Umsatz lag bei über einer Milliarde Dollar (1,6 Milliarden Mark). Etwa 500 Mitarbeiter sind in drei Werken beschäftigt. Während in dem erwähnten Roseau ATVs und Snowmobile montiert werden, sitzt die Motorenentwicklung und -produktion in Osceola im benachbarten Bundesstaat Wisconsin. Dort feilen die Ingenieure nicht nur an der Europaversion des Victory V2-Agreggats, sondern auch an Zwei-und Dreizylinder-Zweitaktern mit Benzineinspritzung. Sogar ein gigantischer Sechszylinder-Zweitaktboxer mit über 180 PS für Snowmobile entsteht gerade auf den Zeichenbrettern. Längst fertig entwickelt ist ein 455 cm³ großer Einzylinder-Diesel, der einige ATV-Typen antreibt. Im weiter südlich gelegenen dritten Standort in Spirit Lake in Iowa schließlich werden die neuen Victory-Motorräder zusammengesteckt. Dieses Werk wurde erst vor vier Jahren aufgemacht, und noch ganz jungfräulich präsentiert sich das derzeit einzige Montageband für die Victory, welches seit drei Monaten in Betrieb ist. »Alle Motorenteile lassen wir von Zulieferern anfertigen; die können das billiger machen. Darunter sind auch etliche deutsche Firmen«, erklärt Motoreningenieur Heinrich die Maxime der Firma. Fahrwerk und Komponenten der Victory stammen ebenfalls von Zulieferen. Lediglich die Stahlrahmen und das Heck schweißen die Victory-Arbeiter selbst zusammen.Momentan verlassen das Werk pro Tag 20 Cruiser, deren Qualitätssicherung sehr ernst genommen wird. »Jedes Motorrad muß einen kompletten Prüfstandlauf durchmachen, bei dem es in allen Meßdaten mit den Werten eines Normmotorrads verglichen wird«, erläutert der Leiter der Qualitätssicherung. Später, wenn sicher ist, daß das Qualitätsniveau stimmt, sollen nur noch Stichproben in Höhe von fünf bis acht Prozent der Produktion vorgenommen werden.16 bis 18 Arbeiterinnen und Arbeiter sind am Montageband beschäftigt. Da es in den USA keine Facharbeiterausbildung gibt, lernen die Arbeitskräfte nach dem Motto »learning bei doing«. »Wir haben die besten Leute von den anderen Bändern, die Snowmobile produzieren, abgezogen, so daß wir mit einer sehr kurzen Einlernphase ausgekommen sind«, sagt der Produktionsingenieur nicht ohne Stolz. Kareen etwa, die acht Stunden am Tag Zylinder und Köpfe montiert, gehört zu den besten und verdient daher 13 Dollar pro Stunde. »Es könnte mehr sein, aber es macht mir Spaß«, lacht sie, und das klingt glaubwürdig. Noch wird nur in einer Schicht gearbeitet. Bis zu 100 Motorräder könnten aber, falls das Bike gut ankommt, pro Tag gefertigt werden.»Derzeit studieren wir noch den europäischen Markt«, bescheidet sich der Victory- Geschäftsführer Matt Parks. Sollte aber ab 2000 der Verkauf in Europa und besonders in Deutschland - «Das ist für uns neben den USA der interessanteste Markt« (Parks) - zügig anlaufen, dann steht einer Produktionsausweitung nichts im Wege. Wie viele Victory könnten es werden? »The sky is the limit«, strahlt der Produktionsingenieur .
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