Die Vorrunden (Archivversion)

Gesucht: Der Motorradfahrer des Jahres 2001

Wer nur schnell ist, macht schnell was falsch. Zwischen Slalomparcour und Bremsmessung braucht’s Köpfchen, damit die Vorrunde der bundesweiten Aktion nicht zur Endstation wird.

Berlin, im niemals enden wollenden Winter des Jahres 2001. Motorradtage, größte Bike-Messe der Metropole. Das Thermometer schwankt um die null Grad, über 70000 Leute kommen, um sich angesichts funkelnder Neuheiten, modischer Klamotten und verlockender Reiseangebote wenigstens ein paar warme Gedanken zu machen. Knapp 50 kommen, um sich bei der von MOTORRAD und Aral ins Leben gerufenen und von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig unterstützten Aktion »Gesucht: Der Motorradfahrer des Jahres 2001« zu messen.Bei Dauerregen auf der XJ 900 aus Schleswig-Holstein runter, bei Schneematsch auf der DR Big aus Sachsen rauf. Oder mit der S-Bahn aus dem Umland: Wie bei allen Messe-Vorrunden stehen auch in der Hauptstadt einige BMW F 650 GS bereit, damit selbst unter widrigsten Bedingungen niemand um seine Chance gebracht wird. Eigentlich sollten die Teilnehmer so richtig Berliner Luft schnuppern, doch schon am Freitag gebietet die Großwetterlage, alle outdoor geplanten Aktionen in Halle 11.2 zu verlegen. Was zwar eine trockenere, doch nicht minder rutschige Angelegenheit zu werden verspricht: Der hölzerne Hallenboden ist frisch lackiert. Aber wer Motorradfahrer des Jahres werden möchte...Meint Frank Mohr, Instruktor vom MOTORRAD ACTION TEAM, als er mit Hütchen und Strichen den Parcours absteckt. Derweil gibt’s für die Teilnehmer Anschauungsunterricht gratis: Christian Pfeiffer, MOTORRAD-Mitarbeiter und arrivierter Bike-Artist, legt quasi im Vorprogramm Wheelies und Stoppies hin, dass es einem schwindelig werden kann. Die Zuschauer johlen, und Egon Müller – Deutschlands einziger Speedway-Weltmeister fungiert als Moderator – erzählt schon wieder die Geschichte, wie Christian vor zwei Jahren mit Bremsendefekt in eine Hallenmauer eingeschlagen ist. »Macht ja Mut«, brummt ein potenzieller Motorradfahrer des Jahres ins mollige Halstuch und wippt unauffällig am Bremshebel seiner Honda.Jetzt kommt Egon zur Überleitung, fordert die vier-, fünfhundert Zuschauer zum Bleiben auf. »Talent habt ihr alle. Der nächste Christian Pfeiffer ist vielleicht auch schon unter euch. Und das werden uns jetzt die Jungs beweisen, die hier gleich durch den Parcours fahren.« Also gut, zumindest haben sie Mut, die 17 leicht angefrorenen Männer, die sich von Frank Mohr einweisen lassen. Schneller Slalom, Trialstopp, rückwärts einparken, über ein langes Brett balancieren, enger Slalom. Und das vor all diesen kritischen Augen. Denen eine unfreiwillig komische Einlage sicher ganz recht wäre. Genug lamentiert. Wer Motorradfahrer des Jahres werden möchte, geht den schnellen Slalom nicht zu schnell an. Erstens, weil er sonst ausrutschen könnte (passierte keinem), zweitens, weil er sonst einen viel zu weiten Bogen zur Trialstopp-Markierung fahren muss (passierte einigen). Andererseits sollte ausgerechnet der Trialstopp mit Schwung angegangen werden, denn dann steht es sich für den geforderten Bruchteil einer Sekunde besser, als wenn das Bike schon schwankend auf die Pylonen zueiert. Danach wieder Gas, das Motorrad mit dem Heck möglichst dicht an der Einfahrt einer »Garage« platziert. Rückwärts reinschieben. Alles fußelt. Mit einem Bein, mit zwei Beinen. Oh Männer, wer Motorradfahrer des Jahres werden möchte, sollte genau hinhören: Niemand hat gesagt, dass ihr nicht absteigen dürft. Endlich kommt einer drauf, gewinnt wertvolle Sekunden, steigt gekonnt beim Anfahren wieder auf, balanciert wie nichts über die lange Latte – und legt gleich die erste Pylone beim langsamen Slalom um. »Det hätt ick ooch jekonnt«, meint ein Zaungast. »Anmelden«, raunzt sein Kumpel preußisch knapp zurück.Der Mann hat’s erfasst, denn die Teilnehmer der insgesamt neun Messe-Vorrunden bilden nur eine kleine Vorhut. Ab Ende Mai starten bundesweit und wie gewohnt outdoor 24 »normale« Vorrunden. Chance für weitere 850 Teilnehmer, sich für die Zwischenrunde, dort womöglich fürs Finale der besten 25 zu qualifizieren (siehe Kasten Seite ...). Aber logischerweise mit denselben Aufgaben wie in Berlin. Langsamer Slalom also als nächstes. Dann Kreisfahrt am Lenkanschlag, schließlich Bremsen und irgendwie zwischendurch Fehlersuche an einem von Frank präparierten Motorrad.Links und rechts der Slalomstrecke markiert ein breiter Strich die nutzbare Strecke, rund drei Meter trennen die Pylonen. Ein wendiges Motorrad wäre gut. Denkt der Cruiser-Fahrer und mäht mit dem armdicken Endschalldämpfer gleich zwei Pylonen weg. Mit einem Zweizylinder hätte es klappen können. Weiß der XBR 500-Treiber, der beim Zirkeln und Hantieren die Drehzahl seines Singles vergisst. Plopp. Was Normales müsste her, stöhnt Karsten Kriebel auf seiner ZX-9R, als er tief gebeugt an den kleinen Lenkerstummeln zerrt. Aber er reißt sich zusammen, der Vierzylinder hängt brav am Gas. Wahrscheinlich denkt er an Frank: Motorradfahrer des Jahres kann man mit jedem Motorrad werden. Christoph Lawonn kann noch langsamer als Karsten. Und kriegt mit seinem kleinen Allrounder obendrein eine Spitzenbremsung hin. Aber Christoph hat auch Beistand: Seine Freundin ist zum Zuschauen mitgekommen, zittert sich an der Absperrung durchs gesamte Programm. Echte Motorradbraut eben. »Von wegen«, entgegnet sie, »Selbstfahrerin«. Warum dann nicht der erste weibliche Motorradfahrer des Jahres? »Vielleicht nächstes Jahr.« Wie geübt wird, hat ihr Christoph gezeigt: Die Lektionen im Internet (www.motorradfahrer-des-jahres.de) studiert, danach die CB 500 über einen Parkplatz gescheucht.Schwieriger gestaltete sich die Vorbereitung für Jörg Schwind. Das Training des Eisenbahners aus Leubnitz blieb im Schnee stecken. Also reiste er ohne Bike nach Berlin, zirkelte auf einer F 650 um die Pylonen. Seit 13 Jahren fährt der Yamaha-Fan Motorrad. Nicht begnadet, wie er meint. »Aber sicher. Und immer schön defensiv.« Mitgemacht hat er, weil er einfach mal wissen wollte, ob diese Selbsteinschätzung stimmt. Beim Trialstopp und im langsamen Slalom haben ihn handfeste Selbstzweifel gepackt. Zweimal abgewürgt. Dann hat’s doch noch gereicht, wie Paul Rowney, der Sieger dieser zweiten von insgesamt drei Berliner Vorrunden, treten Jörg und Christoph bei der Zwischenrunde an. Einen Schuberth-Helm haben sie als Preis schon sicher, beim Finale der besten 25 winkt dem Sieger ein Bike im Wert von 23000 Mark. Bis dahin sollten sie noch ein wenig üben: Gelände, Rennstrecke, Beschleunigen und und und. »Klar«, grinst Christoph, wer Motorradfahrer des Jahres werden will...“
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Motorradfahrer des Jahres: Die Vorrunden (Archivversion)

Eine Aktion für alleDer Motorradfahrer des Jahres muss schon überdurchschnittliches Können mitbringen. Das haben die Wettbewerbe der letzten beiden Jahre deutlich gezeigt. Allerdings kann jeder Motorradler von der Aktion profitieren. Im Internet (Adresse siehe links) und im Laufe der nächsten Ausgaben zeigt MOTORRAD alle Tricks für besseres Fahren und bietet jede Menge Tipps für souveräneren und damit sichereren Umgang mit der Maschine. Und das wiederum garantiert erst maximalen Motorrad-Spaß. Während des Wettbewerbs und vor allem auf der Straße. Eine Philosophie, die offensichtlich auch Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig gefällt, der die Schirmherrschaft für den Wettbewerb übernommen hat.Der Weg ins FinaleErstens; Unterlagen besorgen (siehe links). Zweitens; anmelden und zwar zu einem der Vorrundentermine (siehe rechts). Drittens; trainieren, die Tipps dazu gibt’s im Internet und in MOTORRAD (siehe oben). Viertens für die Zwischenrunde qualifizieren. Dazu gehört ein Platz unter den ersten Dreien bei der Vorrunde oder eine von 25 »Wild Cards«, die an die besten Nächstplatzierten vergeben werden. Fünftens, nach dem selben Schema fürs Finale qualifizieren. Ergebnisse Messe-VorrundenHamburg, 26. Januar 2001: 1. Michael Janner, Ritterhude 96 Punkte, 2. Thomas Fahrenholz, Weye-Lahausen 76, 3. Guido Schupp, Kellinghusen 73. München, 2. Februar: 1. Hans Fröhlich, Ingolstadt 95, 2. Karl Thoma, Deisenhausen 71, 3. Erich Hoffmann, Schliersee 65. Dortmund 1, 28. Februar: 1. Maik Kahlert, Witten 84, 2. Christian Vogelsang, Bochum 82, 3. Markus Jobst und Detlef Hohmann beide Ulmbach 78, Dortmund 2, 1. März: 1. Andreas Brökelmann, Wadersloh 99, 2. Ralf Schefzig, Erkrath 82, 3. Heiner Grosse-Westhues, Münster 77. Dortmund 3, 2. März: Cristoph Tamalun, Rösrath 90, 2. Markus Verlage, Hörstel 72, 3. Alexander Gantenberg, Essen 69. Dortmund 4, 3. März: 1. Marc Andre Kranz, Pulheim 90, 2. Jürgen Beckmann, Waltrop 76, 3. Dirk Scheel, Neuenrade 72. Berlin 1,23. März: 1. Gerd Alexander Dombrowski 94, 2. Mario Kourus, Berlin 92, 3. Hans Hannemann, Potsdam 82. Berlin 2, 24. März: 1. Paul Rowney, Berlin 79, 2. Jörg Schwind, Leubnitz, 72, 3. Christoph Lawoon, Berlin 59. Berlin 3: 25. März: 1. Michael Oschatz, Berlin 104, Hans-Jörg Mächler, Berlin 81, 3. Ralph Langbein, Berlin 78.

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