Die wirklich letzte Chance (Archivversion)

Die wirklich letzte Chance

Oft schielt die Motorradbranche neidvoll zur Vierradzunft, die in vielen Belangen professioneller auftritt. Beim nationalen Rennsport kann der Blick über den Zaun jedoch abschrecken. Bestes Beispiel: die einst gefeierte Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM), die wegen Größenwahn und internationaler Träume zum Langweiler Super-Tourenwagen-Cup mutierte und ums Überleben kämpft.Ähnliches möge der deutschen Pro Superbike-Meisterschaft, die mit aufwendiger Technik und Fernseh-Selbstinszenierung, mit Querelen zwischen Sportverband und Industrie-Pool bis vor den Kadi für manche (Negativ-)Schlagzeilen gut war, erspart bleiben. Obwohl die beteiligten Industrie-Unternehmen den Vertrag kündigten, weil der Aufwand keinen guten Gegenwert in puncto Zuschauer, PR und Presse brachte, soll´s weitergehen.Irgendwie, denn ob bereits beim Saisonfinale in Lahr (28./29. August) ein Plan vorliegt, der die bisher divergierenden Meinungen kanalisiert, wird bezweifelt. Ob es zu einer Aufwertung der 600er-Supersport-Klasse kommt, seriennah Superstock gefahren wird oder gar die Formula extreme à la USA aufs Schild gehoben wird, ist meiner Überzeugung tatsächlich nur zweitrangig: Zu oberst mus eine wirkliche Reform des deutschen Motorrad-Rennsports stehen. Und dafür müssen alle an einem Strang und erstmals in die gleiche Richtung ziehen.Alle, das ist die Motorrad-Industrie und ihr Verband, der Sport wegen unterschiedlicher Interessenslagen auf Mitgliederebene beließ, was zur emsigen, aber kleinen Pro Superbike-Initiative führte. Aber auch der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB), der noch nicht alle alten Zöpfe der OMK-Zeit abgeschnitten hat, und natürlich der ADAC. Der kommt regelmäßig beim Dreisprung zwischen Großveranstalter von Grand Prix und Superbike-WM, Nachwuchsförderer mit Juniorteam und Juniorcup sowie als Breitensportförderer und Talentsichter auf Vereins- und Landesebene aus dem Tritt.Nur ein wirklich ganzheitliches Konzept vom Minibike für Frischlinge bis zur künftigen, straffen deutschen Motorrad-Meisterschaft kann die Fehler der Vergangenheit und den Klassen-Wildwuchs korrigieren. Zwingend gehört dazu aber auch ein Vermarktungskonzept mit Nutzung deutscher Strecken anstelle des tschechischen Most und dem Puszta-Kurs Pannonia-Ring, Terminentzerrung, Zuschauerfreundlichkeit inklusive Fahrerlagerbesuch sowie Werbung und Pressearbeit bis zur Lokalpostille. MOTORRAD jedenfalls ist bereit, seinen Teil dazu beizutragen. Die wirklich letzte Chance darf nicht vertan werden.Es grüßt herzlich .
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