Entscheidung mit Zukunft (Archivversion)

Entscheidung mit Zukunft

Ich konnte es kaum glauben, als die Nachricht auf meinem Schreibtisch landete: Kawasaki und Suzuki werden in Zukunft zusammenarbeiten und Motorräder gemeinsam entwickeln und produzieren. Da wollen zwei der vier großen Japaner kooperieren, die sich bisher nicht mal einen identischen Bremsbelag vorstellen konnten. Ganz im Gegenteil: Kawasaki und Suzuki bekämpften sich aufs heftigste. Der Bandit stellten die Grünen ihre ZRX-Baureihe entgegen, der Hayabusa die ZX-12R. Suzuki antwortete auf die ZX-9R mit der GSX-R 1000, schickte die ZXR 750 mit der starken GSX-R 750 ins Aus und stellte die GSX-R 600 gegen die ZX-6R. Die Liste ließe sich noch beträchtlich erweitern. Doch auf lange Sicht ist ein solcherart geführter Wettkampf um Kunden und Marktanteile nicht sinnvoll. Zumal sich fatalerweise die Produkte immer mehr gleichen, ohne dass auch nur ein einziges Bauteil identisch ist. Und beide Hersteller ganz wichtige Segmente vergessen haben. Wo ist beispielsweise der bequeme Tourer von Suzuki oder Kawasaki? Wo die sportliche Enduro, die einer KTM Paroli bieten könnte, oder das moderne Einsteigerbike? Da fährt die Konkurrenz inzwischen voran. Ich sehe deshalb eine große Chance in der Kooperation. Statt sich mit ähnlichen, aber teuren Hightech-Produkten zu bekämpfen, lieber die Technik weitgehend belassen und das so gewonnene Budget in die Entwicklung neuer Baureihen investieren. Und die Kreativität in Design und Produktideen stecken, anstatt zwei PS mehr zu bieten als die anderen.Gespannt bin ich, wie die doch sehr markenbewussten Kawasaki- und Suzuki-Fahrer die Kooperation aufnehmen. Denn trotz aller Vorteile einer Zusammenarbeit wollen sie sicher keine Einheitsware. Erfreulicherweise betonen beide Hersteller (siehe Interviews, Seite 12ff), dass sie ihre Flaggschiffe weiterhin unabhängig voneinander entwickeln und bauen wollen. Gespannt bin ich auch darauf, wie die Händler reagieren werden. Wobei die eigentlich frohgemut in die Zukunft schauen können, da sich ihre Situaion mit dem größeren Sortiment eher verbessern dürfte. Vielleicht wird aus der Kooperation ja eine Erfolgsstory wie vor einigen Jahren bei BMW und Aprilia. Die F 650 läutete eine neue Ära bei BMW ein, und Aprilia erhielt Aufträge in Millionenhöhe. Ein ähnlicher Erfolg wäre Kawasaki und Suzuki sowie den Fans der Marken zu wünschen.
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