Ersteigern von Polizeimotorrädern (Archivversion)

... und zum Dritten

Was macht Polizeikräder so beliebt? Die eingebaute Vorfahrt? Oder gar die Aura von Law and Order? Sei’s drum, wenn die Vehikel unter den Hammer kommen, findet sich jedenfalls immer ein Interessent.

Hundert Prozent Baumwolle grün, darauf protzig-weiß POLIZEI - die T-Shirts waren der Sommerhit. Fehlt eigentlich nur noch das passende Bike zur Klamotte. Vielleicht ‘ne ausgemusterte K 75 mit läppischen 79 000 Kilometern auf der Uhr? Lässt sich machen. Bei ‘ner Versteigerung von Polizeikrädern (siehe Kasten). Romantische Naturen, die dort den Thrill eines edlen Wettstreits enthusiasmierter Freunde des Polizeimotorradwesens erhoffen, kommen zumindest in Nordrhein-Westfalen, das eh die meisten Maschinen losschlägt, voll auf ihre Kosten. Obwohl der Auktionator in Düsseldorf statt des klassischen Auktionshammers - »Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten« - einen profanen Kugelschreiber fallen lässt. Oder auch nicht. Dann nämlich, wenn der Schätzpreis des Sachverständigen nicht erreicht wird. Was allerdings, so der NRW-Auktionsverantwortliche Peter Engels, »eher selten geschieht«.Angesichts einer solchen Show - »Da geht’s oft richtig turbulent zu Sache«, so Engels - verwundert doch, dass ausgerechnet die Amis im Dunstkreis des von Inszenierungen lebenden Hollywood eine eher undramatische Form des Verhökerns kultivieren. Geboten wird schriftlich, es gewinnt, wer die höchste Zahl riskiert. 2211 Dollar und 11 Cents schrieb Sabine Götz aus Oldenburg auf einen Zettel, steckte ihn in ein Kuvert. Zu treuen Händen der California High Way Patrol in Torrance, L.A. Ihr Begehr: Kawasaki KZ 1000 Police, die Spezialausführung mit dem Z 1000-Motor. Nicht für sich pokerte sie um das 300 Kilogramm schwere Ungetüm, sie tat’s einem Freund aus Deutschland zuliebe. Einen Tag später der Polizeiruf: »Die Kawa gehört Ihnen.« Vermutlich gaben die 11 Cents den Ausschlag. Auftrag ausgeführt. Nicht ganz. Denn mittlerweile hatte Sabine zu tief in die drei Augen des High Way-Kreuzers geschaut, wollte auch einen haben. Dumm nur, dass die nächste Versteigerung auf sich warten ließ. Gut dagegen, dass sie schon bei der Besichtigung der Bikes ein Typ von der Seite angequatscht - »Hier steht eh nur Schrott rum« - und ihr seine Visitenkarte in die Hand gedrückt hatte. »Sieh dir doch mal mein Sortiment an.« Wo sie alsdann auch fündig ward. Baujahr 1995, 60 000 Meilen - und 2500 Dollar an die Hollywood Motor Corporation (Fax 001/818/8882331). Deren Chef Steve Assil fährt nicht nur selbst am liebsten Polizeimotorrad mit original Police-Helm und Kanone - »eine Beretta, wie sie die Cops vom Los Angeles Police Departement benutzen« -, er versprach auch, den Transport nach Deutschland zu organisieren.Was vier Wochen dauerte. Und mehrere Visiten beim Zoll nach sich zog: Rechtmäßigkeit des Kaufs bestätigen, Staatskasse aufbessern. Dann musste ein Datenblatt her und der US-Import so lange europäisiert werden, bis der TÜV endlich sein Ja und Amen gab.Eine Menge Laufereien und Scherereien. Dennoch hat Sabine ihren Kauf noch keine Sekunde bereut. »Über 93 Pferdestärken sitzt ein so komfortabler breiter Sattel, dass man darauf ohne Pause von New York nach San Francisco fahren könnte. Oder wenigstens von Flensburg bis Sizilien.«Im Prinzip stimmt das immer noch. Obwohl die Kawa mal den Dienst verweigerte und Sabine schon das Schlimmste befürchtete: Motor revidieren lassen. Das Malheur entpuppte sich freilich als Kinkerlitzchen. Dennoch: Wer sich eine solche Maschine zulegt, sollte unbedingt ein Faible für den besonderen Reiz malträtierter Technik hegen. »Die Motorräder sind doch arg beritten«, gibt ein mit Versteigerungen hierzulande befasster Polizeibeamter zu. Jahrelanger Streifendienst bei sengender Hitze, strömendem Regen und klirrendem Frost, ab und an mal ‘ne hitzige Verfolgungsjagd - so lange, bis selbst die zur Sparsamkeit angehaltenen Polizeioberen einsehen, dass die Maschine ihren Ruhestand verdient hat. Den sie - zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten - im pfleglichen Gewahrsam eines motorradkundigen Enthusiasten verbringen soll.
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