Erstes deutsches Suzuki-Hayabusa-Treffen (Archivversion)

Im Visier des Falken

Mit dem düsteren Terror des englischen Film-Klassikers wollen die Hayabusa-Fahrer nicht in Verbindung gebracht werden. Dass sie manchem ein wenig bedrohlich vorkommen, nehmen sie eher in Kauf. Wie kürzlich in der Rhön.

»Exiko« möchte auf keinen Fall erkannt werden. Weniger, weil er zur gemeingefährlichen Sorte der Hayabusa-Fahrer gehört, sondern weil er als virtueller Internet-Schutzmann mit seinem wirklichen Beruf in Konflikt geraten könnte. Als Exiko gibt der Polizeibeamte den Usern von www.hayabusa.de Tipps, wie man sich im Verfolgungskampf Busa gegen Staatsmacht behauptet. Und sei es mit so nützlichen Hinweisen, was das Durchpreschen im Autobahnstau kostet: ein Punkt und 100 Mark.Exiko ist so friedlich wie die anderen 103 Hayabusa-Besitzer, die an Fronleichnam ihre 300-km/h-Renner in der Garage des Rhönpark-Hotels aufreihten. Um so sozialverträgliche Dinge zu tun, wie etwa eine Hayabusa-Interessengemeinschaft zu gründen. Und einen Hilfsfonds für unschuldig in Not geratene Motorradfahrer. Zu denen sie sich selbst zwar noch nicht zählen. Wohl aber, wie die Namensgeber ihrer Boliden, die Jagdfalken, zu den bedrohten Minderheiten. Hayabusa steht zumindest für sensationslüstere Privatsender für das Böse auf zwei Rädern. Spätestens seit Toni Mangs Vollgasritt auf der dritten Autobahnspur, gefilmt aus dem RTL-Helikopter. Fast wie bei Joseph Loseys Horrorfilm, nur mit umgedrehten Vorzeichen. Der Verfolgte als Böser, nicht der Verfolger. Thorsten Metz und Gerry Münch sehen nicht aus wie das Böse in Person. Der Druckereileiter und der Kommunikationsunternehmer lieben einfach Motorräder. Und zwar solche, die vor Kraft strotzen. Weil so eine GSX 1300 R Hayabusa Laune macht. Anderen auch. Die wollte man kennenlernen, nachdem die Bekanntschaft bislang virtueller Natur war. Sie organisierten das erste Falknertreffen. »Alles Leute, die bislang übers Internet kommunizierten”, weiß Webmaster Tom Seifert aus Böblingen, Initiator der Internetadresse www.hayabusa.de. Über seine User wundert sich der Schwabe: »In unserem Diskussions-Forum haben wir neben Exiko noch 330 andere registrierte Mitglieder. Nachts um drei posten sie die letzten Kommentare und morgens um sechs schon wieder die ersten. Ich frage mich, wann arbeiten oder schlafen die Leute eigentlich?” Fast nie, wie die gemeinschaftliche Rhön-Reise bestätigt. Während einige erst im Morgengrauen ins Bett fallen, drehen andere schon wieder Proberunden. Eine kleine Gruppe verschläft den Freitags-Ausritt. Und verpasst dabei das Beste. Denn die Motorradfreunde vom MC Hägar haben für die über 100 Gast-Busas eine fantastische Route ausgearbeitet. Die schönsten Serpentinen, Kurven und Kehren der Rhön über Bad Kissingen bis hoch zur Wasserkuppe. Strecken, die die drehmomentstarken Suzuki mit knapp über Standgas meistern. Oder hat da einer was von 9000 Umdrehungen gesagt? Die Stiefel schrabbeln über den Asphalt, die Fußrasten funken. Eine MC Hägar-Vorhut sperrt jeweils die Kreuzungen für die Motorrad-Armada, ein Einsammler am Schluss der Bikerkette sorgt dafür, dass keiner zurückbleibt. Rainer Stegen, Hayabusa-Pilot aus Berlin, schwärmt: »Ich finde es prima, dass man drei Gruppen gebildet hat. Zwei für Normalos und eine Gruppe für Schnellfahrer. So kommt jeder zu seinem Recht.” Erst spät am Abend treffen Vater und Sohn Frode und Mats Vikdal aus Nord-Norwegen ein. Nach zwei Tagen und 2000 Kilometern Anreise. Sie kommen rechtzeitig: zur Gründung der Hayabusa-Interessengemeinschaft und des Hilfsfonds. In der Nacht wird es aber Zeit, Benzingespräche aufzunehmen. Zum Beispiel darüber, wann und wo man die magischen 300 km/h austesten kann. Natürlich hat das jeder Hayabusa-Fahrer, der was auf sich hält, schon einmal probiert. Auch weiß man, dass der Tacho so viel vorgeht, dass man bei angezeigten 350 »nur« 311 km/h fährt. Als optimale Reisegeschwindigkeit werden allerseits kommode 240 genannt und als größte Schwäche die viel zu kleine Windschutzscheibe. Der Samstagmorgen gehört der Sicherheit. Genauer gesagt der zwischenmenschlichen. Aus diesem Grund eskortieren 17500 PS Mario und Mandy Bielarz zum Standesamt. Mario in schwarzem Anzug, Mandy im weißen Outfit. Und das Ganze bei Platzregen. Erst als der Bürgermeister der Gemeine Hausen, Fridolin Link, die Zeremonie beendet, lugt zwischen den düsteren Wolken wieder die Sonne hervor. So, als ob sie unbedingt den Hochzeits-Burnout von Mario erleben wollte.Nachmittags gibt’s noch mal einen Ausflug durch die fast menschenleere Rhön. Zielort ist die alte Kaserne in Wildflecken, wo der ADAC ein Fahrsicherheits-Training aufgebaut hat. Geübt wird, was auch Falknern nicht schaden kann: Schrittgeschwindigkeit fahren, Ausweichen, Bremsen. Polizei-Fantom Exiko will in Zukunft bei seinen Kollegen ein gutes Wort einlegen: »Ich habe keinen einzigen Chaoten kennen gelernt. Alles Leute mit Grips. Unser schlimmes Image ist völlig ungerechtfertigt.”
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