EU-Gremien und die Motorradfahrer (Archivversion)

Dauerfahrlicht: Motorräder verlieren Sicherheitsvorsprung

Die Politiker in den EU-Gremien scheinen es nicht so richtig mit uns Motorradfahrern zu haben. Die Diskussion über die zukünftigen Abgasvorschriften wabert nun schon seit gut zwei Jahren durch die Brüsseler Flure und Konferenzräume. Endgültig entschieden ist bis heute nichts. Dabei wartet die Industrie dringend auf einen Beschluss, um die künftigen Modelle den neuen Regeln entsprechend zu rüsten. Und auch Motorradfahrer, die mit dem Kauf einer neuen Maschine liebäugeln, möchten gerne wissen, was in Zukunft Sache ist. Deshalb wäre es mehr als wünschenswert, wenn sich die EU-Strategen endlich zu einer Definition eines umweltfreundlichen Motorrads durchringen könnten.Druck gemacht wurde dafür in anderer Sache. Die EU-Kommission befasste sich mit einem Gesetz zur Verringerung der Verletzungsgefahr für Fußgänger bei einem Aufprall. Um irgendwelchen Verordnungen zuvorzukommen, schlugen die europäischen Automobilhersteller eigene Lösungen vor. Zum Beispiel, alle Neufahrzeuge ab 2002 mit einer Dauerlichtschaltung auszurüsten. Das heißt: Zündung an bedeutet Licht an. Womit der Sicherheitsvorsprung für Motorräder und andere Einspurfahrzeuge dahin wäre.Speziell im Kreuzungsbereich passieren häufig Unfälle, weil Zweiräder aufgrund ihrer schmalen Silhouette nicht wahrgenommen werden. Die Gefahr, übersehen zu werden, steigt auf jeden Fall, wenn künftig auch Neuwagen mit Dauerlicht fahren. Hinzu kommt, dass Motorräder den Autos in Sachen Scheinwerfertechnik hinterherhinken. Welcher Zweiradfahrer ist nicht schon mal von der immensen Leuchtkraft der Scheinwerfer großer Limousinen und von Sportcoupés geblendet worden. Mit unters Visier brennenden Xenon-Scheinwerfern und Projektionslinsen wird so manche Nachtfahrt, vor allem bei Regen, zum gefährlichen Abenteuer.Mit dieser Lichtflut sollen nun die Motorräder tagsüber konkurrieren. Leider ist es selbst bei neuesten Maschinen um die Scheinwerferbestückung sehr schlecht bestellt, wie in MOTORRAD 1/2002 auf Seite 22 zu sehen war. MOTORRAD bewertet solch mangelhafte Ausstattung streng. Mehr Sorgfalt seitens der Hersteller tut da Not. Dennoch: Nicht auszudenken, was für Folgen die Pkw-Dauerlichtschaltung haben könnte. Da werden steigende Motorrad-Unfallzahlen billigend in Kauf genommen.Bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen in der Automobilindustrie eines Besseren besinnen und der Vorschlag von den EU-Gremien dauerhaft abgelehnt wird. Ansonsten haben Motorradfahrer nur nur noch eine Möglichkeit: Fahren mit Dauerfernlicht. Doch das kann wohl nicht die Lösung sein.
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