Faustisch (Archivversion)

Faustisch

Wie das schwäbische Illingen auf zwei Räder kam

Aus Fehlern lernen heißt siegen lernen, schworen sich die Organisatoren des Illinger Motorradherbsts nach der - im Prinzip - brillanten Premiere anno 1997. Bei schönsten Motorradwetter kurvten 120 Biker durch schweridyllisch Schwäbisches. Und kriegten darob ihr Fett ab. Weil sie auch das Naturschutzgebiet Stromberg bekräderten, über das, wie es später hieß, »Horden stinkender Böcke« hergefallen seien. Mitten unter den Randalierern: Illingens Bürgermeister Jochen Protzer auf standesgemäßer BMW R 100 RT, Dorfpfarrerin Christiane Keller und Gemeinderat Eric Schach. Weswegen die Honoratioren beschlossen, die heurige Tour am 11. Oktober in andere Gefilde zu führen. Zuerst in geistige. Zum Motorradgottesdienst. Alsdann in klassische. Zum Faustmuseum nach Knittlingen. Wo einige Biker die einführende Worten des Direktors in vollen Zügen genossen. Die einen mit, die anderen ohne Filter. 110 waren’s insgesamt. Motorradfahrer, nicht Raucher, versteht sich. Und das trotz widrigster Bedingungen. Dauerregen im Vorfeld, Nässendes am Morgen, Schauer am Vormittag, gefolgt von Wolkenbrüchlichem den restlichen lieben langen Tag. Regensburg oder Schifferstadt wären die diesem Klima gemäßen Ziele gewesen. Statt dessen ging’s zum Vereinsheim des TSV Schützingen. Wo Radler und Wanderer schon der Kradler harrten. Nicht weil’s der Zufall so wollte. Nein, das war so ausgemacht. Denn der Motorradherbst zu Illingen ist für alle da. Und so machten sich denn je 30 Pedaleure und Fußgänger auf zum gemeinsamen Treff. Wo sie dann alle vergnügt zusammensaßen. Der wanderstockbewehrte Rentner mit seinen 78 Lenzen auf dem Buckel und der Rocker vom noblen Club gleich nebenan. Und die Polizei betonte nimmermüde, daß dieser Trip nicht nur der Geselligkeit, sondern auch der Verkehrssicherheit äußerst dienlich war.
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