Hinter den Kulissen (Archivversion)

Voll am Limit

Yamaha steht bei den 125ern, Honda bei den 250ern mit der technischen Weiterentwicklung an. Modenas befindet sich noch in der Entwicklungsphase des neuen 500er Motors. Das schlägt auch auf den Transfermarkt durch.

Von hinten erinnert die neue Dreizylinder-Modenas mit ihren zwei Schalldämpfern oben unterm Heckbürzel an die alte Dreizylinder-Honda NSR 500. Auch das Bauprinzip mit zwei stehenden und einem liegenden Zylinder und drei voneinander getrennten Kurbelgehäusen entspricht konstruktiv jener Maschine, mit der Freddie Spencer 1983 Weltmeister wurde. Kein Wunder: Baumeister ist der Japaner Youichi Oguma, ehemals Honda-Rennleiter und heute Besitzer eines kleinen Technologieunternehmens. Die Premiere der neuen Maschine glückte in Brünn nur halb. Am ersten Trainingstag erreichte Ralf Waldmann zwar die gleichen Rundenzeiten wie mit dem alten Modell und lobte ein »großes Potential«. Leider gab es Schäden an den unteren Pleuellagern, so daß die Piloten ab Samstag wieder auf ihre alten Motorräder zurückgreifen mußten. Die letzten fünf Rennen der Saison werden hautpsächlich zum Wettlauf mit der Zeit. Teambesitzer Kenny Roberts muß nicht nur seine Fahrer, sondern auch seine Sponsoren von den Qualitäten der Konstruktion überzeugen, sonst droht seinem Rennstall das Aus. Star Ralf Waldmann sondiert schon längst, wo sonst er seine Marlboro-Mitgift einbringen könnte. Eine Möglichkeit wäre, zu seinem alten 250er Honda-Team von Dieter Stappert zurückzukehren. Das größte Problem ist auch hier die Technik. Honda lieferte in Brünn neue Airboxen, neue Verkleidungen und neue, konventionell quer vorn einzubauende Kühler. Leider blieben die Kühler 45 Grad kalt, während an den Zylindern 75 Grad Wassertemperatur auftraten - die Werksteams bauten das System deshalb so schnell wieder ab, als hätten sie sich daran die Finger verbrannt. Weil Honda mit der NSR 250 bis jetzt trotz etlicher Modifikationen der Aprilia-Konkurrenz deutlich hinterherhinkt, sinkt mittlerweile auch die Hoffnung auf konkurrenzfähige Maschinen 1999. Das Tech 3-Team von Olivier Jacque verhandelt mit Aprilia, auch Stappert steht einem Wechsel der Marke aufgeschlossener denn je gegenüber.Waldis Interesse, zu den 250ern zurückzukehren, ist freilich gering. »Mein Ziel ist, bei den 500ern Rennen zu gewinnen«, wiederholte er in Brünn. Die verlockendste Möglichkeit wäre, mit Hermann Kurz als Teamchef, Aral als Sponsor, Sepp Schlögl als Cheftechniker und einer Yamaha 500 als gleichwertige Waffe gegen seinen alten Rivalen Max Biaggi anzutreten. Doch noch ziert sich Yamaha. Womöglich bleibt Hermann Kurz nur ein Wechsel der Marke. Denn die Zukunft des 125-cm3-Projekts hängt stark von der Zukunft Harald Bartols ab. Der österreichische Konstrukteur verwandelte den Production Racer TZ 125 im Alleingang zur konkurrenzfähigen GP-Maschine, würde die technische Weiterentwicklung aber gerne noch schneller vorantreiben, als dies auf den langen Dienstwegen eines japanischen Werkes möglich ist. Deshalb ist das neue Angebot so verlockend, über das Bartol bald zu entscheiden hat: Ein Drei-Jahres-Vertrag mit der spanischen Marke Derbi, zu der er auch den im Auftrag von Hermann Kurz entwickelten Motor mitnehmen könnte.
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