Höllisch (Archivversion)

Höllisch

Der berühmteste MC der Welt feierte seinen Fünfzigsten.

Die Hells Angels-Versammlungen im kalifornischen San Bernardino, wo der Club Ende März seinen 50. Geburtstag feierte, und in Ventura, wo anschließend der alljährliche World Run der Biker stattfand, erinnerten die lokale Presse eher an Klassentreffen als an Stelldicheins böser Buben. Und die Gazette »Ventura County News« wies ihre Leser ausdrücklich darauf hin, daß jeder Besucher am Tag durchschnittlich 147 Dollar in den Restaurants, Motels und Läden des Städtchens liegen lasse. Was bei mindestens 500 Angels und ihrem Gefolge ein schönes Umsatzplus ausmache. Daß es dann doch nicht in den Kassen klingelte, lag an der Polizei, die äußerst massiv auftrat, damit aber nicht die Angels verschreckte, sondern die Anwohner, die sich zum Großteil nicht mehr in den Innenstadtbezirk vorwagten. Dem MC hängt eben immer noch ein brillant schlechter Ruf nach. An die 100 Angels wurden von der Einwanderungsbehörde erst gar nicht ins Land gelassen. Auch der »Rockerkrieg« gegen die Bandidos, der unlängst Skandinavien erschreckte, war der Reputation nicht unbedingt förderlich. Dennoch fungieren die Angels noch immer als Vorbild der kuttentragenden Szene. Und der fast schon sprichwörtliche Zahnarzt, der sich am Sonntagvormittag auf seine Harley schwingt, um mal den Outlaw rauszuhängen, fühlt sich dabei nicht irgendwie ein bißchen bluna, sondern höllenmäßig angelös. Charters des Clubs gibt es mittlerweile auf allen Kontinenten, seit 25 Jahren - noch ‘n Jubiläum - auch in Deutschland. Einzigartig dürfte auf jeden Fall sein, daß es bei den Angels mittlerweile schon mal vorkommt, daß drei Generationen im Club sind - Großvater, Vater, Sohn.
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