Indoor-Trial-Weltcup Bremen (Archivversion)

Satz und Sieg

Nach kurzem Schwächeln wollte Doug Lampkin beim Weltcuplauf in Bremen die Verhältnisse wieder zurechtrücken und souverän Richtung Titel klettern.

In den vergangenen Wochen lag ungewohnte Spannung über der Trial-Szene: Unter vornehmer Rücksichtnahme auf die Gastgeber hatte Doug Lampkin nämlich beide Indoor-Weltcupläufe auf der iberischen Halbinsel verloren und dem Sieger, Marc Colomer, ein paar traumhafte Tage gegönnt. Wenn der Spanier - unter Dach wie auf freiem Feld amtierender Vize - sich fortan vor dem Weltmeister positionieren könnte, dann hätte er bei drei noch anstehenden Kletterpartien durchaus Chancen auf den Titel gehabt.So konzentrierte sich das Interesse der 4000 Zuschauer in der ausverkauften Bremer Stadthalle ganz auf die beiden ewigen Widersacher, die gemäß Reglement auch noch als direkte Gegner durch die erste Runde mußten. Zuvor hatte bereits die zweite Riege demonstriert, daß die insgesamt sieben Sektionen wohl eine Spur zu leicht aufgebaut waren, daß also winzige Flüchtigkeitsfehler über Plazierung, ja, Einzug ins Finale der besten Vier entscheiden würden. Der ebenso elegant wie beherzt fahrende junge Spanier Marcel Justribo und der Brite Graham Jarvis kamen auf drei Punkte, Showman Steve Colley auf einen. Mit vier beziehungsweise acht Fehlern durften Amos Bilbao und Bruno Camozzi bereits als abgeschlagen gelten, der Deutsche Vertreter, Andreas Lettenbichler, hatte seine Montesa schon wieder eingepackt: 30 Punkte.Bis Hindernis vier zelebrierten Lampkin und Colomer schlicht und ergreifend die ganz Hohe Schule. Mannshohe Absätze zwischen Holzpaketen oder Kabelrollen - überwunden mit einem einzigen Gasstoß. Meterweite Sprünge zwischen Palettentürmen - abgeschlossen mit punktgenauer Landung. Ohne erkennbare Hast wickelten sie ihr Programm im Eiltempo ab, und erst die fünfte Sektion ließ ahnen, daß sie so etwas wie Grenzen überhaupt kennen: Nach jeweils langer Konzentrationsphase eroberten sie die wohl vier Meter hohe Spitze einer bizarren Konstruktion aus Transportkisten. Die in Sektion sechs folgende Fahrt über schmale Baumstämme diente bereits wieder der Erholung, der Sektionsausstieg mit wasserüberfluteter Betonring-Treppe ging gerade noch so als Herausforderung durch, und das Rennen durch die abschließende Parallel-Sektion entschied Lampkin zweimal für sich.Zwei Punkte also für Colomer, im Streit um den vierten Finalplatz neben Lampkin und Colley siegte Marcel Justribo, und dann konnte es weitergehen. Dieses Mal in fünf Sektionen anders herum, und daraus resultierten kaum erwartete Schwierigkeiten. Jedenfalls reichte Justribos Konzentrationsfähigkeit bei weitem nicht mehr aus. Mental deutlich stärker zirkelten Colley und Colomer über die Klippen, und nur ein saudummer Flüchtigkeitsfünfer auf besagten Transportkisten entschied dieses Duell zugunsten des ansonsten minimal besseren Spaniers.Lampkin schaute sich die Turnübungen seiner Verfolger aufmerksam an, erkannte messerscharf, wie die Kisten mit einem zur Sicherheit gesetzten Fuß zu meistern seien - und beendete den Normalparcours mit einem Strafpunkt. In der Parallelsektion ließ er Colley vorsichtshalber den Vortritt, mit drei zu fünf Punkten gegenüber Colomer war er wieder Herr im Haus. Und darf jetzt schon beinahe den WM-Titel feiern. ..
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