Interview mit Carl Fogarty (Archivversion)

»Ich will immer gewinnen“

Mit der gleichen Entschlossenheit und Aggressivität wie früher als Fahrer geht der vierfache Superbike-Weltmeister Carl Fogarty an seine neue Herausforderung heran: das Foggy Petronas Racing Team für die Superbike-WM

? Carl Fogarty, wir zitieren Sie: »Ich werde nie Teammanager werden, an der Rennstrecke gibt es nur einen einzigen interessanten Job - den des Fahrers.« Jetzt bauen Sie aus dem Nichts Foggy Petronas Racing auf. Was hat sich geändert?! In dem Jahr nach meinem nicht ganz freiwilligen Rücktritt wegen der Verletzung von Phillip Island im April 2000 habe ich gemerkt, dass so ein reiner Repräsentationsjob wie bei Ducati nicht gerade mein Ding ist. Du hängst wichtig rum, hast aber nichts wirklich zu tun. Mit der Zeit gehst du den anderen und auch dir selbst auf die Nerven. Da kam diese Anfrage von Petronas gerade recht, auch wenn ich sicher am Anfang nicht so genau wusste, auf was ich mich da eingelassen habe. Ich erinnere mich an den Tipp eines guten Bekannten: »Klar, Carl mach’ das«, sagte er, »das ist ganz leicht, du musst nur die Kohle auftreiben. Dann holst du die richtigen Leute und lässt sie angreifen.« Grundsätzlich mag es stimmen. Wenn du erst das Geld beisammen hast, kommst du flott weiter. Ob es alles aber so leicht ist, nun ja. Ich spüre vielmehr, dass es die größte Herausforderung meines Lebens ist, das Foggy Petronas Racing Team in der Superbike-WM nach vorn zu bringen, viel heftiger als früher selbst zu fahren.? Warum?! Seit ich fünf Jahre alt war, habe ich mein ganzes Leben darauf eingerichtet, Motorradrennen zu fahren – und schließlich ja auch relativ erfolgreich. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass ich ein Experte in Sachen Management eines erfolgreichen Racing Teams bin.? Wie kam die ganze Sache überhaupt in Gang?! Die Schlüsselperson ist David Wong, ein Geschäftsmann aus Malaysia, der mir in der Saison 1992 einen kleinen Sponsorvertrag mit einer Firma namens Petronas besorgt hatte. Danach riss der Kontakt nie richtig ab. Und irgendwann nach meinem Rücktritt als Fahrer rief David wieder mal an. Ohne konkrete Pläne zu haben, fragte ich ihn, ob er mir Sponsoren bringen könnte für ein Team in England. Er lachte nur, aber wenn ich ehrlich bin, war das schon der Anfang von Foggy Petronas Racing, im Januar 2001 oder so.Später fragten mich die Leute von Sauber Petronas Engineering, ob ich ihre SPE-GP1- Maschine testen könnte, aber das ging wegen meines damals noch gültigen Ducati-Vertrages natürlich nicht. Eines Morgens jedoch rief David Wong an und ich fiel aus allen Wolken: »Pass auf, wir machen ein Racing Team mit dir«, weckte er mich, »aber ganz anders. Ein komplett neues Motorrad mit unserem SPE-Dreizylinder in der Superbike-WM, das deinen Namen trägt.« Ich hielt es zunächst für eine völlig verrückte Idee. Doch schon bald wurde die Sache ernst. Und ich musste Neil Bramwell, meinen damaligen Manager und Murray Treece, unseren jetzigen kaufmännischen Direktor, engagieren, damit uns die Sache nicht über den Kopf wachsen würde.? Die Foggy Petronas FP1 soll mit den Fahrern Troy Corser und James Haydon am 14. Juli beim Superbike-WM-Lauf in Laguna Seca am Start stehen. Im Moment dreht sich noch nichts. Ist das überhaupt realistisch?! Unserem internen Zeitplan sind wir sogar etwas voraus. Noch im April wird die Maschine zu den ersten Tests rollen. Und dann liegt es hauptsächlich an unseren neuen Partnern in der Motorenherstellung, Suter Engineering in der Schweiz, bis zum 1. Juli die ersten 75 Motoren fertig zu stellen, damit wir die FP1 als Superbike homologieren können. Aber ich habe keine Zweifel, dass die Mannschaft um den früheren Grand-Prix-Fahrer Eskil Suter das auch schaffen wird. Zumal sie ja bereits einige hochkarätige Spezialisten eingestellt haben, wie zum Beispiel Giuseppe Bernicchia, noch im Vorjahr Superbike-Projektleiter bei Aprilia, wo er übrigens ganz hervorragend mit Troy Corser zusammengearbeitet hat.? Foggy Petronas Racing geht auffallend seriös mit der Forderung des Superbike-WM-Reglements um, dass vor der ersten Rennteilnahme 75 existierende Serienmaschinen vorschreibt und weitere 75 am Ende der ersten Saison. Andere neu eingestiegene Hersteller wie zum Beispiel Benelli haben diesen Passus nonchalant ignoriert.! He, Petronas ist keine Bastelbude. Das ist ein Riesenkonzern aus der Ölbranche, alles in allem weit größer als Honda. Die treten da nicht an, damit Carl Fogarty seinen Spaß hat. Für die ist das Business. Petronas will mit der FP1 in die Motorradproduktion einsteigen, nicht mehr und nicht weniger.? Gibt es noch weitere größere Sponsoren außer Petronas?! Nein. Petronas steht für das komplette Budget gerade. Das heißt aber nicht, dass wir potentielle seriöse Partner ablehnen würden. Wir sind jedoch nicht darauf angewiesen. Wir haben einen Fünf-Jahres-Vertrag mit Petronas und können entsprechend langfristig planen.? Das Fahrerduo besteht mit Troy Corser und James Haydon aus Piloten, die im Vorjahr in ihren jeweiligen Serien zu den Top-Leuten gehörten und jetzt ein halbes Jahr warten müssen, bis sie endlich wieder Rennen bestreiten können. Ist das nicht frustrierend für die beiden?! Bis zu einem gewissen Grad ganz bestimmt. Andererseits zeigt die Verpflichtung von Corser und Haydon die Ernsthaftigkeit des ganzen Projektes. Immerhin haben wir es geschafft, zwei bestens reputierte Profis zu gewinnen. Troy hat im Vorjahr mit der Aprilia noch Superbike-WM-Rennen gewonnen. Er gehört zu den Allerbesten. Und vor allem hat er ganz besondere Fähigkeiten, wenn es darum geht, eine neue Maschine zur Rennreife zu bringen. Das hat er gerade mit der Aprilia und zusammen mit Bernicchia gezeigt. James Haydon dagegen musste raus aus der britischen Superbike-Meisterschaft und in die WM aufsteigen, wenn er sich weiterentwickeln wollte. Dass er für uns fährt, ist Chance und Verpflichtung zugleich.? Wie lautet also die Prognose des großen Meisters für die erste Halbsaison von Foggy Petronas Racing?! Für mich als Fahrer gab es nur eins – gewinnen. Dafür habe ich alles auf mich genommen. Daran hat sich nichts geändert. Ich will immer gewinnen. Vielleicht gelingt es nicht auf Anhieb. Aber innerhalb der fünf Projekt-Jahre sollte es möglich sein, gut genug zu werden, um den Titel zu holen.
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