Interview Pit Beirer (Archivversion)

»Arbeite im richtigen Haus“

Deutschlands Top-Crosser Pit Beirer, 29, wechselt ins Werksteam von KTM. Dort wird er den 250er-Zweitakter fahren, könnte bei Bedarf aber auch die 450er-Viertaktmaschine satteln.

? Sie wurden Dritter in der 250er-WM – darf man gratulieren, oder sind Sie unzufrieden? Schließlich hätten Sie beim Finale in Moskau noch den Vizetitel holen können.Schon okay, man darf gratulieren. Denn grundsätzlich bin ich sehr zufrieden. Nach der vergangenen, doch etwas verpattzen WM-Saison mit Platz fünf als Endresultat war ich ziemlich nervös, ob ich den Weg zurück zu den besten Drei finden kann. Und das hat geklappt.? Der Saisonverlauf ist dennoch äußert untypisch für Sie. Bislang war man Extreme von Ihnen gewohnt. Gewissermaßen Pokal oder Hospital. In dieser Saison punkteten Sie in jedem Lauf, holten aber keinen Sieg. War’s so geplant?Keinen Lauf zu gewinnen natürlich nicht. Wohl aber, immer zu punkten. Und das hat außer Weltmeister Mickael Pichon und mir letztlich kein einziger Fahrer geschafft. Natürlich war diese Saison sehr unspektakulär, und diese Taktik ist auch kein Rezept, um Weltmeister zu werden. Doch wenn ich zurückdenke, wie viele Schmerzen ich für ein solches Gesamtresultat früher erleiden musste, dann war dieses Jahr ganz klar eine persönliche Weiterentwicklung.? Und wie können Sie sich verbessern, ohne wieder auf dem früheren Crash-Kurs zu steuern?Ich brauche mehr Motorrad-Praxis. Das hört sich nach 20 Jahren Motocross vielleicht komisch an, ist aber so. Denn damit meine ich nicht mehr Tempo bolzen auf der Strecke. Das habe ich lange genug gemacht. Ich meine mit dem Motorrad spielen, springen, Supercross. Etwas, das mich fahrtechnisch weiter bringt. ? Ihr Vismara-Honda-Teamkollege Joshua Coppins wurde beim österreichischen WM-Lauf bei der Dopingkontrolle positiv getestet, kam aber mit einer äußerst milden Bewährungsstrafe davon. Nun ist er Vizeweltmeister. Wie stehen Sie zu diesem Vorgang?Ich bin über die Entscheidung sehr enttäuscht. Denn damit wird offenkundig, dass man eine Saison mit unlauteren Mitteln aufbauen kann. Und obwohl man ertappt wird, kann man letztlich doch davon profitieren. Was geschieht, wenn sich der nächste Dopingsünder auf dieses Urteil beruft?? Was ist dran an den Gerüchten über die finanzielle Pleite von Vismara-Honda?Das Team wird auseinander brechen. Auch aus finanziellen Gründen, aber nicht nur deswegen. Der Fall Coppins und das Verhalten von Honda hat die Truppe schon vorher gespalten. ? Hat sich diese Situation für Sie finanziell negativ bemerkbar gemacht? Stehen noch Zahlungen aus?Ein Teil ist noch offen. Ich bin aber überzeugt, dass ich’s bekomme.? Wie geht es nun weiter?Ich fahre kommendes Jahr im Werksteam von KTM mit der 250er-Zweitakter. ? Sie haben aus Ihrer Vorliebe für Honda nie einen Hehl gemacht. Nun muss die orangefarbene Flagge gehisst werden. Gleichzeitig kehrt Ihr Vorgänger im Team, der Ire Gordon Crockard, nach einem enttäuschenden Jahr auf KTM zu Honda zurück. Gibt Ihnen das nicht zu denken?Klar gibt das zu denken. Doch ich sehe, dass die 250er-Maschine völlig neu konzipiert war und erst weiterentwickelt werden musste. James Dobb hat das getan. Ich werde das ebenfalls tun müssen. Aber KTM hat gezeigt, dass dort, wo sich das Werk mit neuem Material engagiert, auch der Erfolg kommt. Das war zuerst in der 500er-WM so, dann bei den 125ern. Warum soll das bei den 250ern nicht so sein?? Wie stehen Sie zur Öffnung der 250er-Zweitaktklasse für 450er-Viertakter ab 2003? Sind Sie in dieser Beziehung da nicht im Nachteil auf der 250er?Mit der Zeit, mit der ich zum Beispiel beim WM-Lauf in Gaildorf mit der 250er Zweiter war, hätte ich das 500er-Rennen gewonnen. Doch das ist natürlich nicht überall so. Auf technisch anspruchsvollen und zerfahrenen Strecken sind die Zweitakter im Vorteil; wenn der Boden hart ist, sehen die Viertakter besser aus. Und außerdem: Sollte sich herausstellen, dass ein Viertakter doch die bessere Wahl ist, arbeite ich ja im richtigen Haus.? In der Motocross-WM wird jetzt pro Klasse nur noch ein Lauf gefahren, das Fahrerlager ist abgesperrt, die Eintrittspreise wurden drastisch angehoben. Das bringt der dafür verantwortlichen Vermarktungsagentur Dorna herbe Kritik ein. Wie sehen Sie diese Entwicklung?Ich habe diese Veränderung immer unterstützt. Doch die Dorna muss erkennen, dass der Sport nicht nur Top-Teams und TV, sondern auch Veranstalter und Zuschauer braucht. Und da fehlt den Spaniern momentan vielleicht das Fingerspitzengefühl. Dennoch investieren sie viel Geld für eine professionelle Abwicklung. Deshalb wünsche ich mir nichts mehr, als dass das Konzept der Dorna aufgeht. Aber für alle Beteiligten. ? Zum Schluss noch was Privates: Ihre Freundin Ilona ist schwanger. Für wann hat sich Nachwuchs angemeldet? Im November. ? Verraten Sie, was es wird?Nein, das gibt ’ne Überraschung.Das Interview führte MOTORRAD-Redakteur Peter Mayer
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