Interview (Archivversion)

Interview

Roberto Brovazzo, Chef des Guzzi-Werks in Mandello, über den Relaunch der traditionsreichen italienischen Marke.

?Vor zwei Jahren übernahm Aprilia Moto Guzzi. Auch Sie kommen von der Mutterfirma in Noale. Was hat sich in Mandello geändert?Ziemlich viel. Das Werk wird renoviert. Wir versuchen, die ursprünglichen Strukturen zu erhalten, aber alles modern zu gestalten mit hohen Räumen, großen Fenstern und viel Licht. Gerade installieren wir ein zweites Montageband. Das erlaubt einen besseren Produktionsmix, denn im Moment können wir immer nur ein Modell nach dem anderen fertigen. Wir bauen etwa 8500 Motorräder im Jahr, deutlich mehr als vor der Übernahme, als es nur 5500 waren.?Die Palette besteht nach wie vor aus V11, California und Nevada. Ist es Zeit für etwas Neues?Als Aprilia eingestiegen ist, gab es keine Guzzi-Entwicklungsabteilung. Ein neues Motorrad zu entwickeln, dauert aber mindestens vier Jahre. Dafür haben wir viel an V11, California und Nevada verbessert, Motoren und Fahrwerke überarbeitet und die Verarbeitungsqualität deutlich erhöht. Außerdem bieten wir immer wieder Sondermodelle wie die V11 Scura. Und wir planen eine neue Moto Guzzi. ?Bei Guzzi wurden fast alle Teile hier im Werk gefertigt. Ist das immer noch so?Nein. Wir bauen ja keine großen Stückzahlen, und da bieten spezialisierte Zulieferer bessere Qualität. Beispiel Nevada: Statt der Guzzi-eigenen 38er-Gabel bauen wir jetzt eine 40er-Gabel von Marzocchi ein, und die vordere Doppelscheibe aus unserer Produktion haben wir durch eine einzelne Bremsscheibe aus der Serie Oro von Brembo ersetzt. Ehrlich gesagt, bremst die jetzt besser, auch wenn«s nur noch eine Scheibe ist. Alles, was den Antrieb anlangt, vom Getriebe über den Kardan bis zu den Pleueln, wird jedoch weiter im Werk gemacht.?Der italienische Zweiradmarkt befindet sich in der Krise. Packt ein so kleiner Hersteller wie Guzzi den Umbruch?Aber sicher. Zum einen sind wir ja nicht allein, Aprilia steht uns mit Know-How und auch finanziell zur Seite. Zum anderen stimmen bei Guzzi alle Voraussetzungen: Wir haben eine lange Tradition, einen guten Namen und ehrliche Motorräder. Wir müssen diese Zutaten nur ein bisschen abstauben. Das funktioniert: Wir hatten in den ersten drei Monaten 2002 ein Umsatzplus von 26 Prozent – obwohl gerade der Custom-Markt, wozu sowohl California als auch Nevada gehören, stagniert und in manchen Ländern sogar zurückgeht.
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