Interview (Archivversion)

Interview

Elmar Forke, Forschungsleiter beim Institut für Zweiradsicherheit, zur Tageslichtpflicht

Ab nächstem Jahr sollen fabrikneue Autos tagsüber mit Licht fahren. Warum haben sich die europäischen Automobilhersteller dazu freiwillig verpflichtet, und was erhofft sich die EU-Kommission davon?Eine mögliche Minderung von Fußgängerunfällen. Dabei wurde übersehen, dass in vielen Ländern eine Tageslichtpflicht für Motorradfahrer besteht. Die allgemeine Tageslichtpflicht in Skandinavien, die als Argumentationshilfe dient, lässt sich nicht auf mittel- und südeuropäische Verhältnisse übertragen. Witterungsbedingungen, Lichtverhältnisse und Verkehrsdichte sind nicht vergleichbar. Was bedeutet die dauerhafte Tageslichtschaltung von Autos für Motorradfahrer?Das kommt einer allgemeinen Tageslichtpflicht nahe und verringert den Sicherheitsvorsprung für motorisierte Zweiradfahrer drastisch. Die spezielle Tageslichtpflicht für motorisierte Zweiräder ergibt eine Reduzierung der Kollisionssituationen bei Tag um 30 bis 40 Prozent. Schon 1994 stellten wir im Labor eine verminderte Wahrnehmung der Motorradfahrer bei allgemeiner Tageslichtpflicht fest. Während für den Pkw Umrissgröße und Farbe als Haupterkennungsmerkmale dienten, war es beim Motorrad das Abblendlicht. Was kann das ifz jetzt noch politisch erreichen?Das ifz warnt nachdrücklich vor der allgemeinen Tageslichtpflicht. Unser politischer Appell an alle nationalen und europäischen Entscheidungsträger lautet, die Initiative der Automobilhersteller nur dann zu unterstützen, wenn im Vorfeld die Konsequenzen einer allgemeinen Tageslichtschaltung für den Sicherheitsvorsprung der motorisierten Zweiräder geprüft wird.
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