Interview (Archivversion)

Interview

Suzuki-Rennlegende Kevin Schwantz zum GP-Zirkus und seinen Plänen.

Sie sind kürzlich in Australien bei einer Motorrad-Rallye gesichtet worden. Was ist aus Ihrem Engagement bei Autorennen geworden? Das NASCAR-Abenteuer war eine Sackgasse. Ich kam als Weltmeister, und jeder erwartete auf Anhieb Großtaten. Dabei ist das eine völlig andere Liga. Mit der Zeit wurde es immer schwieriger, Geld zu finden. Derzeit betreue ich die jungen Suzuki-Piloten in der US-Superbike-Meisterschaft. Ihr alter Rodeofahrstil scheint auszusterben. Bis auf Garry McCoy halten alle Werksfahrer ihre Motorräder brav in der Spur. Erstaunt Sie das?Mit meinem Motorrad musste ich so fahren. Dank der Big-Bang-Motoren, besserer Reifen und der Fülle von Daten, die für die Abstimmung ausgewertet werden, sind die Motorräder viel gutmütiger geworden. Deshalb gibt es auch so viele schnelle Fahrer. Suzukis Hauptproblem bleibt, dass eine gewisse Marke auf jeder Geraden schneller ist. Wenn es Suzuki gelingt, flinker in den Ecken zu sein und Honda ein Schnippchen zu schlagen, lache ich mir auch heute noch ins Fäustchen.Ihr offizieller Rundenrekord in Assen von 1991 wurde immer noch nicht gebrochen. Ist die neue Fahrergeneration zu langsam?Damals waren die Maschinen nur 115 Kilogramm schwer, 15 Kilogramm leichter als heute. Trotzdem überrascht es mich. Meine Theorie: Wegen der Entwicklung hin zu Qualifikationsreifen wird neuerdings zu viel Zeit mit der Jagd nach der Pole Position verschwendet, die Rennabstimmung kommt erst an zweiter Stelle. Wir haben das Training auf Rennreifen bestritten.Wer ist derzeit der beste Fahrer?Kenny Roberts. Er ist mental der Stärkste, hat stets einen klaren Kopf, verliert nie die Gesamtperspektive und lässt sich deshalb auch notfalls mal von seinem Teamkollegen überholen. Ich wünschte, ich hätte zu Beginn meiner Karriere so viel taktischen Spürsinn gehabt. Ich wollte damals jedes Rennen um jeden Preis gewinnen.
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