Interview (Archivversion)

«Wir vertreten ideelle und keine kommerziellen Interessen“

Eine Firma der Biker Union, des Dachverbands der deutschen Motorradrocker, hat Pleite gemacht. Ihr Geschäftsführer ist wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt.

? Hat die Biker Union in der Szene an Vertrauen eingebüßt?Kotté: Ja. Wir müssen die Verantwortung für das, was passiert ist, übernehmen. Wir versuchen seit einem Jahr, die Karre aus dem Dreck zu fahren, was nicht einfach ist.? Warum haben Sie sich von Ihrem alten Geschäftsführer Nils Holger Lenzner getrennt?Kotté: Im Endeffekt ist er daran gescheitert, daß er alle Arbeit an sich gerissen hat. Teilweise hat er schlecht gewirtschaftet und Geld verpulvert, was uns heute noch fehlt. ?Welche Prozesse laufen derzeit?Kotté: Die Prozesse beziehen sich überwiegend auf die Biker Union Service GmbH, die wir gründeten, weil wir das Risiko, das der Verein jedes Jahr beim Treffen in Schleiz trägt, auf eine GmbH verlagern wollten. Die Firma ist wegen der hohen Kosten des BU-Magazins, einer von uns herausgegebenen Motorradzeitschrift, pleite gegangen. Einige Gläubiger haben ihre rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, und Nils Holger Lenzner ist jetzt wegen betrügerischen Konkurses angeklagt. Der Prozeß ist noch nicht entschieden. ?Was tun Sie, damit so etwas nicht noch mal passiert?Zilz: Wir sind darauf angewiesen, daß wir dem Geschäftsführer vertrauen können. Sicher haben wir Nils zu viel Vertrauen geschenkt. Zur intensiveren Kontrolle haben wir jetzt zwei Büros mit zwei Ansprechpartnern. Kotté: Wir gründen keine neue GmbH, und in Schleiz, das normalerweise einen finanziellen Erfolg garantiert, wollen wir die Versorgung an einen Festausstatter übergeben, der das wirtschaftliche Risiko trägt.?Was haben Sie in Zukunft vor?Zilz: Die neuen Vorstände werden sich mehr um die Beiratsarbeit und um die Clubs kümmern. Durch unsere Anwesenheit bei Veranstaltungen wollen wir den Mitgliedern wieder das Gefühl geben, daß wir für sie da sind. Unsere Mitglieder haben eine bestimmte Weltanschauung, die wir unterstützen wollen. Wir hatten eine Zeitlang Infostände mit rein kommerziellem Charakter. Das sind Sachen, die nicht gehen. Wir vertreten ideelle Interessen und sind kein wirtschaftliches Unternehmen.Außerdem kümmern wir uns um die europäische Gesetzgebung, ein sehr wichtiges Thema für Biker. ?Wie sehen Sie Ihren Platz unter den Clubs?Kotté: Die Biker Union hat sich auf die Fahnen geschrieben, daß wir uns bei der Politik der Clubs untereinander total neutral verhalten. Wir sind bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten, solange es um Motorradthemen geht. Wir beide bekennen uns als Rocker, die aber gegen Vorurteile kämpfen.
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