Jubiläumsfeier 50 Jahre Honda- (Archivversion)

Auf die Plätze...–––––

Honda feierte den fünzigsten Geburtstag ganz groß. Auf der neuen, hauseigenen Rennstrecke und mit den berühmten Rennmotorrädern.

Die Vorbereitungen liefen mit der Präzision eines Honda-Reihenvierzylinders ab. Rechtzeitig zum großen Fest war alles fertig: die neue, Twin Ring getaufte Strecke, das Fahrerlager samt Boxen und Kontrollgebäude. Und natürlich die Motorräder. Gut und gern zwei Dutzend Rennmaschinen. Die älteren klassisch in Rot und Silber gehalten, jene aus jüngeren, bunteren Jahrgängen mit knalligen Sponsoren-Aufklebern geziert. Weil es eine stilvolle Party werden sollte, verstand sich von selbst, daß die Piloten ihr Outfit dem des Racers anpaßten, und also entweder zu schwarzem Leder und Halbschale oder pagageienhaft Bunten samt Integralhelm griffen.Gut 100 Kilometer nördlich von Tokio, nahe Motegi in der Provinz Tochigi, hat Honda nach dem bereits vor 35 Jahren eröffneten Kurs bei Suzuka ein neues Motorsport-Zentrum bauen lassen. Es schlicht und einfach eine Rennstrecke zu nennen wäre maßlos untertrieben. »Motodrom« paßte da schon besser. Außerdem erinnert der Twin Ring ein bißchen an Daytona. Dank seines Hochgeschwindigkeitsovals mit überhöhten Kurven, Betonmauer und Fangzaun rundum sowie Platz für insgesamt gut und gern eine Viertelmillion Zuschauer. Wie beim amerikanischen Pendant kann das Oval mit flachen Kursstücken kombiniert werden, und selbstverständlich besteht die Möglichkeit, hier auch eine konventionelle Rennstrecke zu schaffen, die den Anforderungen eines Motorrad-Grand Prix oder Formel 1-Rennens in allen Belangen genügt.Anläßlich der Geburtstagsfeierlichkeiten - Gründungsdatum der Honda Motor Company war der 24. September 1948 - brachten die Organisatoren aus dem neben der Rennstrecke ebenfalls neu errichteten Firmenmuseum, der Honda Collcetion Hall, einen bunten Querschnitt der berühmtesten und erfolgreichsten Rennmotorräder auf den Twin Ring: die 125er Zwei-, Vier- und Fünfzylinder, die 250er Vierzylinder und natürlich auch die Sechszylinder RC 171 mit ihrem auf knapp 300 cm³ Hubraum vergrößerten Motor für die 350er Klasse. Dazu noch eine RC 181 mit dem brachial starken Halbliter-Vierzylinder und nicht zu vergessen, die kleinste Renn-Honda, die RC 115 mit 50-cm³-Zweizylinder-Vierventilmotor. Sogar die ersten beiden Straßenrennmotorräder von Honda überhaupt, die 125er Zwei- und 250er Vierzylinder mit Königswellenantrieben für die Nockenwellen, wurden für das Fest wieder flottgemacht. Somit fehlte keine der Maschinen, mit denen die Japaner Anfang der sechziger Jahre die Konkurrenz auf den Rennstrecken dieser Welt das Fürchten lehrten.Das fachkundige Publikum vermißte eigentlich nur eine NR 500, mit der Honda nach gut zehnjähriger Abstinenz vom Grand Prix-Rennsport wieder an alte Erfolge anknüpfen wollte. Dafür komplettierten die nicht weniger berühmten Langstrecken-Rennmaschinen die Startreihe. Dazu kamen noch die in den achtziger Jahren so erfolgreichen Zweitaktmodelle, allen voran die NSR 500, die Honda nach zwei Vizeweltmeisterschaften 1966 und 1967 mit der RC 181 dann 1983 endlich den langersehnten Titel in der Halbliterklasse bescherte.Zu solch berühmten Motorrädern gehören ohne Zweifel auch ihre nicht weniger renommierten Fahrer. Freddie Spencer und Wayne Gardner reisten gern nach Motegi, während Gardners australischer Landsmann Michael Doohan absagen mußte. Beruflicher Gründe wegen. Auch die Stars der sechziger Jahre - Luigi Taveri, Jim Redman, Tommy Robb und Ralph Bryans - hatte Honda eingeladen, dazu die Honda-Werksfahrer der ersten Stunde, die Japaner Naomi Taniguchi, Teisuke Tanaka, Moto Kitano und Kunimitsu Takahashi. Letzterer war übrigens der erste japanische Motorradrennfahrer, der einen Grand Prix gewann, und zwar das Rennen der Viertelliterklasse beim Großen Preis von Deutschland 1961 auf dem Hockenheimring.Zwei Tage lang wurde der Auftritt der Rennfahrerlegenden und ihrer mit schier unvorstellbarem materiellen, finanziellen und personellen Aufwand vorbereiteten Motorräder minutiös geprobt. Für jede Maschine wurde eigens ein Mechaniker abkommandiert, um kleinere Probleme sofort in der Boxengasse beheben zu können. In schwierigeren Fällen zogen sich die Spezialisten des Nachts in die dem Museum angegliederte Werkstatt zurück, um dort beispielsweise in aller Ruhe den kränkelnden dohc-Ventiltrieb des 50er Zweizylindermotors zu kurieren.Alle Nachfolger des Fimengründers und -chefs Soichiro Honda, der im Sommer 1991 im Alter von 85 Jahren verstorben war, schauten zu, als ein speziell für Honda konstruierter Roboter die Bühne betrat und die Eröffnungszeremonie einleitete.Auf die Minute genau - und selbstverständlich wurde auch diese Schaueinlage gleich zweimal geprobt - sprangen vier Gleitschirm-Flieger aus einem Hubschrauber ab und landeten auf der Start/Ziel-Geraden des Hochgeschwindigkeitskurses. In der Boxengasse, vor der die Bühne errichtet worden war, wartete Juan Pablo Montoya in einem der schier unschlagbaren Reynard-Honda der ChampCar-Serie die Eröffnungsansprache des Honda Präsidenten ab, der ihn anschließend mit den berühmten Worten »Gentleman, start your engine« auf die Eröffnungsrunde schickte: Honda ist zwar mit Motorrädern weltberühmt geworden, weil die Firma sich aber längst auch in der Vierrad-Szene etabliert hat, durften bei der Feier natürlich die Automobile nicht fehlen. Und für die Parade der Formel-, Renn- und Tourenwagen hatte sich Honda, analog zu den Rennmotorrädern, um die Fahrer bemüht, die sie pilotiert hatten. Mit Erfolg: Sir Jack Brabham, John Surtees, Jonathan Palmer, Mike Thackwell und Nelson Piquet nutzten die Chance und stiegen noch einmal in ihre ehemaligen Arbeitsgeräte. Montoya, der 1999 den in die Formel eins wechselnden Alex Zanardi, ChampCar-Sieger 1997 und 1998, ersetzen wird, machte den Auftakt zur gut vierstündigen Show vor rund 50000 Honda-Fans. Während die sich an den historischen Rennmotorräder und Formel-Rennwagen erfreuten, die da ihre Runden drehten, saßen die Honda-Mechaniker im kühlen Schatten in den Boxen. Gebannt starrten sie auf die an der Decke aufgehängten Fernseher und fieberten dem Sieg von Michael Doohan beim Großen Preis von Australien und damit seinem fünften WM-Titel in Folge entgegen.
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote