Kampf dem Pudding an der Wand (Archivversion)

Kampf dem Pudding an der Wand

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Das war die wenig überzeugende Purzelbaumstrategie der Bundesländer im vergangenen Jahr, als es darum ging, im Ringkampf mit dem Bundesinnenministerium eine Smogverordung auf die Beine zu stellen. Die Dummen waren am Ende mal wieder die Schwächsten im Glied der motorisierten Verkehrsteilnehmer: die Biker nämlich. Den Motorradfahrern werden seitdem bei Smogalarm sage und schreibe zwölf verschiedene Länderregelungen zugemutet, befahren sie mit ihren Bikes die deutschen Lande zwischen Ostsee und Alpen. Solch einen Fleckerlteppich gab es zuletzt zu Zeiten sonnenköniglicher Kleinstaaterei, als jeder Fürst selbstherrlich und absolut bestimmte, was für seine Untertanen gedeihlich zu sein habe und was nicht.Im Herbst vergangenen Jahres versprachen die Politiker, rechtzeitig zum Frühjahr 1996 eine vernünftige Regelung geschnürt zu haben, die auch Motorradfahrern bundesweit Klarheit gibt, falls der Fall erhöhter Ozon-Konzentrationen eintreten sollte. Doch selbst die technische Grundlage für eine solche Regelung ist bis zum heutigen Tag nicht erarbeitet. Es geht um die Frage, wieviel Schadstoffe Motorräder ausstoßen dürfen und wie das ermittelt wird.Die Industrie wartet noch aus ganz anderen Gründen auf diese Klärung. Sie braucht nämlich eine verläßliche Grundlage, eine Entwicklungssicherheit für mögliche Abgasreinigungssysteme. Denn anders als beim Auto fahren auch heute noch nur wenige Prozent aller in Deutschland zugelassenen Motorräder mit einem Katalysator. Auch die Motorradindustrie braucht eine faire Chance, sich geänderten Erfordernissen in einem angemessenen Zeitraum anpassen zu können, so wie das seinerzeit der Autoindustrie zugestanden wurde. An dieser Stelle sei noch mal an die nach wie vor gültige Ozonregelung und die Ausführungsbestimmungen der Länder dazu vom vergangenen Jahr erinnert, die ganz sicher wieder für Verwirrung sorgen werden, wenn es draußen jetzt endlich wieder sommerlich werden sollte: Danach können von den Bundesländern Smogalarme und damit durchaus auch Fahrverbote ausgesprochen werden, wenn die Ozon-Konzentration 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht und dieser Wert an mindestens drei Stellen in einem Bundesland gemessen worden ist, die mindesten 50 Kilometer auseinander liegen.Dann gibt es aber einen Wust von Ausnahmen. Wie Fahrten zur Arbeit oder Urlaubsreisen. Wenn es in diesem Jahr also mal wieder hart auf hart kommen sollte und noch keine neue Ozonregelung getroffen wurde, empfehle ich jedem Motorradfahrer die Taktik des vergangenen Jahres: Gefüllte Packtaschen oder einen Rucksack parat haben. Welcher Kontrolleur will uns dann nachweisen, daß wir gerade nicht auf einer Fahrt in den Urlaub oder vom Urlaub nach Hause sind?Nein, solange Politiker in Bund und Ländern in dieser Frage das Bild von Köchen bieten, die sich bemühen, einen Pudding an die Wand zu nageln, solange werden wir jedes Schlupfloch der Ozonverordnung nutzen müssen.Einen smogfreien Sommer wünscht Ihnen Ihr
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