Keine Kompromisse (Archivversion)

Keine Kompromisse

Dass Hersteller die Ergebnisse von Vergleichstests manchmal in eine ganz andere Richtung interpretieren, als es sich die Redakteure wünschen, zeigt das unselige Ende der Honda Africa Twin. Unselig deshalb, weil in diesem Fall die in der Regel fruchtbare Wechselwirkung von Testurteil und Herstellerreaktion zu einem falschen Ergebnis führte. Was veranlasste Honda, die ursprünglich sehr sportliche und zunächst erfolgreich verkaufte Zweizylinderenduro XRV 650 durch immer softere 750er-Modelle zu ersetzen und diese gegen die noch erfolgreicheren und reisetauglicheren BMW GS-Modelle ins Rennen zu schicken? Und die Africa Twin schließlich durch die Konkurrenz aus eigenem Hause, die viel stärkere Varadero, genau in diesem Segment verhungern zu lassen?Am Anfang ihrer Entwicklung war das Konzept eindeutig. Für Reisefreunde gab es die Transalp, für sportlich eingestellte Enduristen die in den Honda-Motorsportfarben lackierte 650er. Für diese Klientel reichte, vor allem nach der Hubraumaufstockung auf 750 cm³, auch die Leistung. Allerdings sattelte BMW mit dem Vierventilboxer R 1100 GS kräftig auf. Honda zog nicht nach, so dass die Motorrad-Presse mangels Alternative die Africa Twin für Vergleichstests mit der bayrischen Reiseenduro heranzog. Die Konsequenz: Die schnittige Honda verlor Test um Test. Was machten die Japaner? Verbesserten die Africa Twin in Richtung Reisetauglichkeit, modelten das ursprünglich sehr sportliche Konzept immer mehr um. Kompromiss folgte Kompromiss. Was noch nie von wirklichem Erfolg gekrönt war. Aus einem Rennpferd wird eben kein braves Arbeitstier. Und die Kunden marschierten in Scharen zum BMW-Händler. So viele, bis Honda schließlich doch die Super-Transalp baute, die dann Varadero hieß. Nun steht die Africa Twin vor ihrem Produktionsende. Grund genug für MOTORRAD, dieser herrlichen Enduro eine Geschichte zu widmen. Thorsten Dentges, selbst Besitzer einer 750er, erweckt das erste Modell in der Impression ab Seite 92 nochmals zum Leben. Den vielen Fans der sportlichen Japanerin bleibt derweil nur eines: zu hoffen, dass Honda sich besinnt und wieder eine kompromisslos sport-liche Zweizylinder-Enduro baut. Leicht, geländetauglich und pfiffig gestylt. Wie so etwas aussehen kann, zeigt KTM.
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