Kohle und Benzin (Archivversion)

Kohle und Benzin

Bergleute demonstrierten mit Motorrädern in Bonn

Fast 10 000 Motorräder rollten Anfang März durch Bonn. Die Biker demonstrierten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in den Kohlerevieren von Ruhr und Saar. Weil die Bundesregierung beschlossen hatte, die Subventionen für den Bergbau von zehn Milliarden auf wenig mehr als drei Milliarden zusammenzustreichen, sahen die Kumpel ihre Zukunft in Gefahr. Sie befürchteten, daß betriebsbedingte Kündigungen drohen und die Arbeitslosenzahlen in ihren Regionen steil noch oben schnellen könnten. Zwar zeigten die Bergleute Verständnis für den Abbau von Subventionen, doch den Bruch gegebener Versprechungen durch die Bonner wollten sie nicht hinnehmen. Kumpel der Gelsenkirchener Schachtanlage Hugo reagierten prompt und organisierten binnen weniger Tage einen Motorradkorso. Friedlich fuhren die Biker am Morgen des 13. März durch Bonn, wurden von der Bevölkerung, aber auch von der Polizei freundlich begrüßt. Ihr Ziel: die Zentrale der FDP. Den freidemokratischen Wirtschaftsminister Günther Rexroth machten sie für die ihrer Meinung nach unsoziale Kohlepolitik verantwortlich.Sicher auch unter dem Eindruck dieser machtvollen Demonstration fanden die Verhandlungspartner dann einen Kompromiß, der bis zum Jahr 2005 für viele Familien an Ruhr und Saar eine gewisse Sicherheit bietet. Am Abend des 13. März dann waren sich die Kumpels einig: Ihr gewaltfreier Protest bedeutete nicht nur eine demokratische Willensäußerung, sondern auch eine Werbung fürs Motorrad. rüs
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