Kreuzverhör (Archivversion)

Kreuzverhör

Warum der Staatsanwalt alles über alte Harley wissen will

Besitzer angejahrter Harley-Davidson in Stuttgart und um Stuttgart herum bekamen Post von der Staatsanwaltschaft. Im Kuvert: 1. die Mitteilung, daß der Big Twin-Eigner als Zeuge gebraucht werde; er 2. eventuell Opfer einer Straftat sei; dazu 3. ein umfassender fünfseitiger Fragenkatalog zum Bike, den man natürlich nicht beantworten müsse - doch im Falle einer Weigerung, so das Anschreiben, »müßten Sie jedoch mit einer Vorladung durch die Staatsanwaltschaft rechnen, der Sie dann Folge leisten müßten«. Die Aufregung bei den Adressaten war riesengroß - weil zunächst keiner wußte, daß dieses Schreiben massenhaft rausging. Wie oft? - darauf wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft keine Auskunft geben. Er beließ es bei der Mitteilung, daß es hierbei um eine Ermittlung wegen Betrugs und Urkundenfälschung gehe. Bei Polizeikontrollen seien Harley mit gefälschten Starrahmen des Typs aufgefallen, »wie sie zwischen 1940 und 1957 gebaut wurden«; in diese Rahmen, die Brief und Siegel hätten, seien dann Motoren und Peripherien jüngeren Datums eingebaut und also Käufer betrogen und hinters Licht geführt worden. Von dem Fragebogen erhoffe man sich jetzt Hilfe bei der Aufklärung. Warum dazu die Angabe der Versicherungsgesellschaft, am besten mit Kopie der Police, und eine Schilderung der persönlichen Kaufentscheidung notwendig seien, blieb freilich selbst dem Sprecher der Staatsanwaltschaft verborgen. Weil die Briefe zu den gefälschten Rahmen verdammt echt aussehen, werden in dem Fragebogen die TÜV- und DEKRA-Prüfer der betreffenden Harley abgecheckt. In der Szene gilt mittlerweile als offenes Geheimnis, daß die Ermittler amtliche Prüfer verdächtigen und ihnen präparierte Maschinen vorführen lassen.
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