KTM-Festival 1999 (Archivversion)

Umsonst und draußen

Was nix koscht, des isch auch nix, sagt der Schwabe. Da hat er aber die Rechnung ohne das 1. KTM-Festival gemacht, denn im Castelletto Motodrome kamen die Gelände-Freaks zu Lande, zu Wasser und in der Luft ganz umsonst auf ihre Kosten.

Dass die Mannen aus Mattighofen sportliche Motorräder bauen, beweisen diverse Meistertitel. Dass sie auch Party machen können, stellten die Österreicher am ersten Juliwochenende unter Beweis. Vier Tage lang stand der Castelleto Motodrome südlich von Mailand im Zeichen der Fans der orangefarbenen Renner. Dort, wo sonst nationale Rennen stattfinden, konnten sich Geländefreaks aus ganz Europa auf perfekt präparierten Pisten beim Moto Cross, Enduro fahren, Dirt-Track, Supercross und Supermoto austoben. Letztere Diziplin gewann der Deutsche Thomas Winkle vor Sepp Höllbacher aus Österreich, der seinen zweiten Platz rechtfertigte: »Die Zeit, die man im Off Road-Teil verliert, ist auf der Betonpiste nicht mehr aufzuholen. Mit meinen Supermoto-Reifen war da wenig zu machen.« Davon unbeeindruckt düpierte Ex-Cross-Weltmeister Shayne King mit seiner Werks-520er die fünfzehnköpfige Konkurrenz: Keiner war schneller als er, und keiner malte so eindrucksvolle Striche auf die Betonplatten wie der Australier. Doch zum Glück für die Gäste traten sämtliche Profis außer Konkurrenz an. Sonst hätte der Sieger des Wheelie-Contests auch nicht Matthias Ross geheißen, sondern Alfi Cox. Der Südafrikaner, x-facher Sieger der »Roof of Africa«, donnerte den 300 Meter langen Schotterweg in kurzen Hosen auf der Sitzbank stehend und mit hoch erhobenen Vorderrad rauf und runter, dass den Zuschauern der Atem stockte. Sportlicher Höhepunkt war ein Zwei-Stunden-Enduro, bei dem sich die Gäste mit Shayne King, Enduro-Weltmeister Giovanni Sala, Vize Mario Rinaldi und Dirk von Zitzewitz messen konnten. KTM-Haudegen Heinz Kinigadner ließ es sich nicht nehmen, die Teilnehmern höchstpersönlich auf die staubige Piste zu schicken. Bei vierzig Grad im Schatten war mancher dankbar, dass dieser Wettbewerb mit einer Schwimmeinlage im benachbarten See begann. Kinigadner lüftete später das Geheimnis der mitzuführenden Motorradschläuche: »Wir mussten beim Schwimmen Rücksicht auf unseren Freund Mario Rinaldi nehmen.« Böse Zungen behaupten, dass dessen Fähigkeiten im kühlen Nass weit hinter denen im Sattel zurückbleiben. So erreichten alle 60 Teilnehmer das rettende Ufer, das Ziel dagegen nur 21. Schnellster war wieder der rasende Australier King.Bei aller sportlichen Action auf der Piste kam der Après-Sport nicht zu kurz, denn abends ging die Party im Festzelt bei Rallye-erprobtem Catering weiter. Jubeln konnte dabei vor allem Kai Halbauer aus Berga in Thüringen, der nicht nur gute Resultate in den Rennen erzielte, sondern auch den Hauptgewinn der Tombola, eine nagelneue 400er, mit nach Hause nehmen durfte.Galt die diesjährige Premiere als Versuchsballon, so soll sich der Event in den kommenden Jahren als feste Größe im Terminkalender von KTM-Freaks etablieren. Bleibt zu hoffen, dass potentielle Teilnehmer sich zukünftig nicht von der oben zitierten schwäbischen Weisheit bremsen lassen und zum nächsten Festival etwas zahlreicher erscheinen.
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