Lintzel, Jürgen: Interview (Archivversion)

Interview

Jürgen Lintzel, Kuhle Wampe, zum Thema Motorrad und Umwelt

? Der Industrie-Verband Motorrad beklagt einen »lähmenden Zustand« bei der Diskussion um Abgasgrenzwerte in der EU. Schätzen Sie die Lage ähnlich ein?Natürlich läßt sich die EU Zeit, aber das dürfte die Hersteller nicht daran hindern, umweltfreundlichere Motorräder herzustellen und zu importieren, zumal es ja Länder mit noch strengeren Umweltstandards gibt, die dennoch eingehalten werden. Die Hersteller und der IVM als deren Interessenvertretung sollten mit Entwicklungen also nicht warten, bis sie gesetzlich dazu gezwungen werden.? Ist es ökologisch sinnvoll, daß »alte Stinker« nicht mehr fahren dürfen, wie das die CDU schon öfter gefordert hat?Absoluter Blödsinn. Es ist doch widersinnig, ein funktionstüchtiges Fahrzeug aus dem Verkehr zu ziehen, um dieses zu verschrotten und ein neues zu kaufen. So kostet, wie der BUND errechnet hat, allein die Herstellung eines Kleinwagens soviel Energie, wie für eine Fahrtstrecke von 100 000 Kilometern benötigt wird. Dazu kommt noch der Aufwand für die Entsorgung. Die Hersteller wollen natürlich Neufahrzeuge verkaufen, aber ökologisch sinnvoller wäre es, wenn sie Umrüstmöglichkeiten auch für ältere Motorräder anbieten würden.? Was kann der einzelne Motorradfahrer tun, um die Umwelt zu entlasten?Einfach öfter mal das Motorrad stehen lassen, aufs Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, die eigenen zwei Füße benutzen.? Wie steht die Kuhle Wampe zum Recycling von Motorrädern?Recycling ist besser als wegwerfen. Es ist allemal sinnvoller, ein noch funktionstüchtiges Teil erneut zu gebrauchen, als es einzuschmelzen. Da spielen die Motorradverwerter eine wichtige Rolle, leider erschweren ihnen die Hersteller das Geschäft, weil sie ihnen die Original-Teilenummern vorenthalten. Aber der Verkauf eines Neuteils bringt nun eben mal mehr Profit.
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