Markenimage ist wichtig (Archivversion)

Markenimage ist wichtig

»Seit zwanzig Jahren versuche ich, den Japanern klarzumachen, wie wichtig es ist, ein Markenimage zu pflegen, nun habe ich es aufgegeben«, gestand mir vor kurzem ein Topmanager der Motorradbranche. Dabei muss er es wissen, schließlich ist es sein Job, japanische Maschinen unters Volk bringen. Und das geht nun einmal am besten, wenn die Marke ein klares Profil besitzt, wenn der Interessierte von vorneherein weiß, auf was er sich einlässt. Er will ja nicht nur ein gutes Produkt kaufen, sondern ebenso wichtig ist das Image. So fühlt sich ein BMW-Fahrer betont reiseorientiert, und ein Ducati-Pilot ist eindeutig ein Sportfahrer. Kawasaki-Käufern war in früheren Jahren klar, auf was sie sich einließen: Die Marke stand für äußerst leistungsstarke, kompromisslose und aggressive Maschinen, die immer ein wenig böser waren als der Rest. Damit ließ es sich gut leben. Wer die Bikes vom Schlage einer Z 1000, RX 1000 oder ZZ-R 1100 beherrschte, galt etwas in der Clique. Doch irgendwann begann Kawasaki, Chopper zu bauen. Und zwar solche, die weder böser, noch stärker, noch größer, noch sonst irgendwie herausragend waren. Und in diesem Mittelmaß drohte dann im Laufe der 90er Jahre die gesamte Modellpalette zu versinken. Anscheinend hatte die Grünen der Mut verlassen, oder, schlimmer noch, sie hatten ihre eigene Markenidentität vergessen. Die Konkurrenz sprang in die Lücke. KTM baute die besseren Sportenduros, Yamaha mit der R1 die brutalere 1000er, Suzuki mit der Hayabusa die erste 300-km/h-Rakete und mit der GSX-R 750 die stärkste 750er, Honda mit der Fireblade die leichteste 900er. Und die besten Chopper werden eh immer aus Amerika kommen. Nun scheint sich das Blatt zu wenden. Mit den in dieser Ausgabe von MOTORRAD exklusiv präsentierten neuen Kawasaki-Modellen besinnen sich die Grünen offensichtlich wieder auf ihr altes Image. Die Z 1000 begeistert mit schneidiger Linie und tollem Finish, ohne auf Retro zu machen. Die ZX-6R ist gnadenlos sportlich ausgelegt, bietet eine ganz neue Bremsentechnik im Serienbau. Und wenn man den beiden Maschinen in die Scheinwerferaugen schaut, suggerieren sie ein deutliches »Schluss mit lustig«. So müssen Kawasaki aussehen, dann sind sie auch wieder glaubwürdig. So pflegen sie wieder jenes Image, das die Marke in früheren Jahren so stark gemacht hat: Kawasaki sind die bösen Japaner.
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