MOTORRAD online: Kuriositäten aus dem Forum (Archivversion)

Mesocricetus auratus

Wofür, zu welchem Behufe und überhaupt lackiert man Vergaser von innen? Und was für eine Funktion kommt dabei Mesocricetus auratus, gemeinhin Goldhamster genannt, zu? Wahrlich: existentielle Fragen, die bislang vergebens einer Antwort harrten. Herrlich: MOTORRAD online fand sie.

Wollte einfach nicht stehen bleiben, das vermaledeite Ei. Bis dann Kolumbus kam und bewies nach brachialem Akt: Eierbecher braucht«s nicht. Wollte sich innen nicht lackieren lassen, der widerspenstige Vergaser. Bis schließlich Thomas Herget erschien. Weswegen unsere Nachgeborenen den Vergaser des Herget in einem Atemzug mit dem Ei des Kolumbus nennen werden. Was? Nie davon gehört oder gelesen? Tja, Schicksal von Ignoranten, die sich nicht im »Forum« von MOTORRAD online ergehen. Versäumen glatt den epochalen Wurf des Herget, der, Akkuratesse moderner Technik sei«s gedankt, auf die geschichtsträchtige Minute genau datiert werden kann: 16. April 1998, 22.23 Uhr. »Tach auchIch möchte die Vergaser meiner CBR von innen lackieren. Dafür brauche ich möglichst auffällige Farben (Optik und so). Das Benzin ist auch ein Problem (hält die Farbe oder hält se nich).Wer hat sowas schon gemacht?Gebt mit Tips.Tschauuu Thomas« Herget wagt bisher Unvorstellbares: die Ästhetisierung des Nichtsichtbaren. Definitiv der entschiedenste Angriff auf die Dominanz des Äußerlichen in einer von Design- und Markenfetischismus geprägten Welt korrumpierenden Konsums. Und wie reagiert die vernetzte Motorradszene auf diese Manifestation eines neuen, aufwühlenden Denkens? Mit der ihr eigenen Gelassenheit in herrschaftsfreiem Diskurs. «Da kannst du ganz normale Wasserfarben nehmen. Kommt ja kein Wasser rein. Ach, vergiß auf keinen Fall die Vergaserinnenbeleuchtung. Dann kommen die Farben besser zur Geltung.« Bernd Poschen, Bonn, 17. April, 23.11 Uhr. Poschen kapiert sofort, was Herget umtreibt, verbindet Praktisches, Wasserfarben, mit ästhetischer Provokation - dem Illuminieren einer sich neugierigen, ja voyeuristischen Blicken entziehenden Welt. Unerbittliche Kritik auch an quälenden Beleuchtungsorgien in Städten, die Nächte zum Tag machen.»Aber Vorsicht, nicht zu dick auftragen. Der Querschnitt stimmt möglicherweise nicht mehr. Damit machst du dann besonders in der Streetfighter-Szene eine Scheißfigur.« René Werse, St. Wendel. 17. April. 23.35 Uhr. Wichtiger Hinweis: Was brächte eine noch so künstlerische Inszenierung des Unsichtbaren, wenn dessen innere Werte - und nur darum geht es Herget - daran Schaden nähmen? Wenig, um nicht zu sagen: nichts. Kein Problem, Plakafarben helfen »wegen der durch die rauhe Oberfläche bedingten Mikroverwirbelungen, die in der Formel 1 zur Leistungssteigerung eingesetzt werden. Besonders bewährt hat sich Ferrarirot«. Schreibt, kein Witz, Michael Schumacher, Gerbrunn, 17. April. 23.57 Uhr. Da die Frage des »Ob überhaupt« echt gebongt ist, gehen die MOTORRAD onliner beruhigt in die Heia. Die folgenden Tage im April widmen sich Diskutanden folgerichtig dem »Wie«. »He, Thomas, such Dir einen kleinwüchsigen Grafitti-Künstler.« Bernhard Riedl, München. Passen nicht rein. Sollte Hergets Jahrhundertprojekt an solchen Kleinigkeiten, die mitunter ins Riesenhafte auswachsen, scheitern? »Wie wär’s denn mit Mäusen ohne Schwänze?« schlägt Frank Richter, Ostfildern, vor. Ein Spitzentip, den Wolfgang Schlaifer, Ulm, subito konkretisiert. »Einen Hamster in Silberbronze getaucht. Nur mit dem Verchromen wird es problematisch, weil Verchromen nur auf leitenden Materialien geht. Doch wie bekomme ich einen Hamster leitend?« Selbst dafür gibt’s im Internet Profis und Profitessen. Sabine Hammer, Dortmund, ist so eine. »Wir haben hier eine Sputteranlage, da kann ich den kleinen Nager sogar vergolden. Leitend ist er dann zwar, wird fortan aber ziemlich ruhig sein, weil das Ganze nur unter Hochvakuum funktioniert.« Doch keine Kunst ohne Moral, und so rüttelt Sabines flehender Appell »Keine Tierversuche!« die Internetler auf. Sollte - ethischer Vorbehalte wegen - Hergets Vergaser innen ewig unlackiert bleiben? Nein. Das Ei des Kolumbus, pardon: den Vergaser des Herget findet Michael Janko, München. »Arbeitet al fresco. Erst Gips in den Tank. Dann zirka 7.38 Minuten bei 7935 Touren fahren. Danach Farben, Pinsel und gewünschte Vorlagen in den Tank. Michelangelo wird vor Neid erblassen.« Na also! Aber warum nicht gleich so und erst kleine Hamster erschrecken?
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