Motorradpreise in Euroland (Archivversion)

Euro-Bikes

Preisvergleich im Euroland, die neue Währung macht`s möglich. Zoll wird nicht erhoben, die EU-Betriebserlaubnis ist eingeführt, und die Hersteller gewähren europaweite Garantie. Lohnt sich also der Kauf im Ausland?

Das waren noch Zeiten. Die wackelige Lira verlor regelmäßig an Wert, das britische Pfund besaß längst nicht die Unverwüstlichkeit, die es heute auszeichnet, dafür galt die Deutsche Mark als harte Währung. Man schrieb das Jahr 1993. Clevere Motorradfans machten sich damals mit Anhänger oder Transporter auf gen Italien, um dort ein Schnäppchen zu ergattern. Etwa eine feuerrote Ducati 900 SS, die seinerzeit beim Dealer in Bologna fast 6000 Mark billiger kam als in Deutschland. Das freute den Hobbyimporteur, zumal der Cappuccino, vom Ducati-Tifoso serviert, viel leckerer schmeckte als beim Italiener zu Hause um die Ecke. Italien war immer eine Reise wert, auch wenn ein Großteil des Ersparten hinterher beim Hürdenlauf durch die deutsche Bürokratie wieder drauf ging. Vom Zirkus, den manche enttäuschte Ducatisti beim Versuch, einen Garantieschaden bezahlt zu bekommen, erlebten, ganz zu schweigen. Damals klingelte in der Redaktion ständig das Telefon. »Was spare ich, wenn ich eine Honda CBR 600 in Frankreich kaufe?« »Was muss ich tun, um eine Yamaha FZR 600 aus Dänemark zu holen?« »Ich habe gehört, dass Motorräder in England viel billiger sind als bei uns. Stimmt das?« Nicht immer leicht zu beantwortende Fragen. Auf dem deutschen Motorradmarkt herrschte ein relativ hohes Preisniveau, in einigen Nachbarländern kosteten Neumaschinen deutlich weniger. Die »grauen« Importeure erlebten ihre Glanzzeit, verkauften billige Importmaschinen en masse.Und heute? Euroland ist transparenter geworden, die neue Währung macht`s möglich. Der Euro gilt bekanntlich in Belgien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Portugal und Finnland. Das macht Preisvergleiche auf einen Blick möglich. Die Redaktion hat Preise von 19 Motorrädern der vier japanischen Marken, Ducati und BMW in sechs Euro-Ländern verglichen. Die Bruttopreise, also das, was der Käufer beim Händler zahlt, variieren noch immer erheblich. So kostet etwa der Bestseller des Hauses BMW, die R 1150 GS, in Deutschland 10945 Euro, während der holländische Käufer satte 13350 Euro, 2405 mehr auf die Theke legen muss. »Wir bemühen uns, die Preise zu harmonisieren. Allerdings müssen wir in manchen Ländern mit erheblichen Abgaben kalkulieren«, sagt BMW-Pressesprecher Jürgen Stoffregen. Holland etwa erhebt eine durchschnittlich 14-prozentige Sondersteuer, Österreich verlangt eine Normverbrauchsabgabe, kurz NOVA, die je nach Hubraum zwischen zehn und 16 Prozent ausmacht. Die Mehrwertsteuersätze liegen in den Nachbarländern mit Ausnahme von Spanien deutlich höher als in Deutschland. Offenbar haben jedoch die Europa-Importeure der japanischen Hersteller bei einzelnen Modellen noch ein bisschen Luft in ihrer Preiskalkulation. Zumindest lässt das der Vergleich der Nettopreise – also ohne Mehrwertsteuer und ohne Sonderabgaben – vermuten. All das muss den deutschen Biker eigentlich gar nicht mehr interessieren. Denn es macht derzeit keinen Sinn, im europäischen Ausland auf Einkaufstour zu gehen. Fast durchweg liegen die Preise über den deutschen. Seltsam, dass noch niemand die Chance erkannt hat, Motorräder im Internet zu verkaufen. Halt, stimmt nicht ganz. In England ist das groß in Mode. Drei markenunabhängige Händler vertreiben ihre Lockangebote im Web. Bis zu 17 Prozent unter empfohlenem Verkaufspreis. Wenn das bei uns Schule macht...
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