Nachruf Fabio Taglioni (Archivversion)

Ein Leben für Ducati

Er machte Ducati zum Motorradhersteller von Weltruf: Fabio Taglioni, fast 30 Jahre lang Chefentwickler in Bologna, ist tot.

Ohne ihn gäbe es keine roten Renner aus Bologna: Als der 34-jährige Ingenieur Fabio Taglioni 1954 von Mondial zu Ducati kam, fand er einen kleinen Mischkonzern vor, der Rasierapparate, Radios und Zweiräder baute – von allem etwas, nichts richtig. Taglioni baute flugs etwas Richtiges: In Rekordzeit entwickelte er die Marianna, einen 100-cm3-Einzylinder mit Königswelle, der in seiner Rennsportversion dreimal hintereinander den prestigeträchtigen Motogiro d’Italia gewann. Ducati war plötzlich wer in der Motorradwelt.1956 dann der zweite Coup: Taglioni verpasste der Marianna eine desmodromische Ventilsteuerung, bei der statt Federn Kipphebel die Ventile zwangsweise öffnen und schließen. »Der Nachkriegsstahl war so schlecht, dass die Federn oft brachen«, erzählte der geniale Ingenieur einst in einem MOTORRAD-Interview. »Deswegen habe ich auf die Desmodromik gesetzt.« Ducati tut es bis heute – mit Erfolg.1970 landete Taglioni seinen dritten Coup: Mittels Skizzen auf einer Papierserviette überzeugte er die Ducati-Bosse beim Mittagessen zwischen Pasta und Hauptgang davon, einen großen Zweizylinder zu bauen. Der Weg war frei für die 750 GT und S, die ersten Serien-V2 von Ducati.1982 nahm Taglioni seinen offiziellen Abschied, begleitete die Firma aber weitere 13 Jahre als Berater, ehe er sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzog. Fabio Taglioni starb in der Nacht zum 19. Juli in seinem Haus in Bologna. Er wurde 80 Jahre alt. Ducati sammelt derzeit die Kondolenzbriefe aus aller Welt und wird sie in Auszügen in einem Buch über Taglioni veröffentlichen. Adresse: e-mail livio.lodi@ducati.com, Fax 0039-051-641 31 13.
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