Neue Abgas-Gesetzgebung (Archivversion)

Es ist angerichtet

Seit Jahren debattieren Politiker in Brüssel über verschärfte Abgasnormen für neue Motorräder. Jetzt haben sie sich geeinigt.

»Innovationen zur Verminderung des Schadstoffausstoßes im Motorradbereich sind überfällig. Die Endscheidung macht jetzt den Weg dafür frei«, freut sich Bernd Lange, Verhandlungsführer des EU-Parlaments in Brüssel. Was kaum noch jemand für möglich hielt: Europaparlament und Ministerrat haben im Vermittlungsausschuss am 19. März einstimmig verbindliche Grenzwerte und Prüfzyklen für Motorräder beschlossen. Ab April 2003 ist für die Typzulassung neuer Motorräder die Euro-2-Norm bindend, die die Schadstoffgrenzwerte im Vergleich zur heute gültigen Euro-1-Norm um bis zu 66 Prozent reduzieren (siehe Tabelle). Ein knappes Jahr Aufschub (Januar 2004) gibt´s für einige Enduro- und Trialmotorräder. Ab Juli 2004 gelten die Grenzwerte für alle Neufahrzeuge. »Die Hersteller müssen vorher verkaufen oder umrüsten«, erklärt Bernd Lange. Als Prüfzyklus wird die jetzige Messmethode, der ECE 40.01 beibehalten. Die Geschwindigkeit auf dem Rollenprüfstand reicht nur bis 50 km/h – einziger Unterschied: Kaltstart.Während die Einführung der Euro-2-Norm unumstritten war, debattierten die Politiker die Details der Euro-3 jahrelang. Jetzt der Kompromiss: Ab Januar 2006 gelten drastisch verschärfte Grenzwerte für die Typzulassung (siehe Tabelle), ab Januar 2007 auch für alle Neufahrzeuge. Umsetzen müssen Hersteller, die weniger als 5000 Einheiten pro Jahr verkaufen, die strengeren Grenzwerte jedoch erst im Januar 2008. Als Messverfahren kommt ein leicht modifizierter Pkw-Zyklus, der statt vier sechs Stadtzyklen bis 50 km/h enthält. Daran schließt sich für Motorräder ab 150 cm3 ein Überlandzyklus bis 120 km/h an. Wenn der geplante neue Motorradprüfzyklus (WMTC world harmonized motorcycle test cycle) anwendbar ist, soll die Europäische Kommission Grenzwerte festlegen, die mit denen des Pkw-Zyklus korrelieren. Einige Motorradhersteller favorisieren den WMTC. Die Gründe: Ein Prüfverfahren, das weltweit angewendet werden könnte, spart Kosten und vereinfacht die Zulassung.Weitere Details der Gesetzgebung: Künftig soll wesentlich stäker kontrolliert werden, dass auch Nachrüst-Auspuffanlagen den Richtlinien entsprechen. Ebenfalls neu: Ab 2006 werden keine Motorräder mehr neu zugelassen, deren Benzinverbrauch nicht feststeht. »Der vom Europaparlament in Brüssel verabschiedete Kompromiss zur Euro-3-Norm für Motorräder findet beim Industrie-Verband Motorrad Deutschland (IVM) grundsätzlich Zustimmung«, so die Pressemitteilung. »Einige Probleme bleiben jedoch noch zu klären«, sagt Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer des IVM, der den eng gesteckten Zeitrahmen zur Umstellung der Motorräder für die Hersteller und Importeure kritisiert. »Immerhin gibt es jetzt endlich eine klare Linie, an der sich unsere Mitglieder orientieren können«, betont Brendicke.Die neue Gesetzgebung räumt den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit ein, steuerliche oder finanzielle Anreize für das vorzeitige Inverkehrbringen schadstoffarmer Fahrzeuge und das Nachrüsten von älteren Fahrzeugen einzuführen. Das begrüßt der IVM. Reiner Brendicke regt an, solche Anreize auch in Deutschland umzusetzen. Zuständig ist das Bundesfinanzministerium. »Es sind noch keine Entscheidungen getroffen worden. Es ist auch nicht absehbar, ob eine Entscheidung fällt. Das Aufkommen aus der Kfz-Steuer kommt den Ländern zugute«, so eine Sprecherin der Behörde. Sieht also nach Entwarnung aus.
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