Neues Entwicklungszentrum von Harley-Davidson (Archivversion)

Stil-Leben

Frisch vom Band sind die Big Twins von Harley-Davidson bereits Klassiker. Eine Frage des Stils, dem jetzt High-Tech aus einer neuen Denkfabrik das ewige Harley-Leben bescheren soll.

Selbst Legenden kommen mitunter in die kritischen Jahre. »Wir wollen sie bewahren - und dennoch alle Anforderungen an Umwelt, Qualität und Sicherheit erfüllen.« Darin sieht Jeff Bleustein, Präsident von Harley-Davidson, die größte Herausforderung. Um den Traditionshersteller auch weiterhin auf Expansionskurs zu halten - 1997 sollen 130 000 Maschinen Käufer finden -, stellten die Harley-Gewaltigen eine nagelneue Denkfabrik vor die Tore von Milwaukee.Harley und Entwicklungszentrum - paßt das überhaupt zusammen? Sieht ganz so aus. Die Zeiten, als Designer Willie G. Davidson zwei neue Packtaschen aus dem Regal holte, dick in die Farbtöpfe griff und - schwuppdiwupp - der neue Modelljahrgang fix und fertig war, sollen der Vergangenheit angehören. Dennoch trägt das »Product Development Center« den Namen des Gründer-Enkels. »Willie G. hat einen gewaltigen Beitrag fürs Design und den Erfolg von Harley-Davidson geleistet«, lobt Bleustein.Und so durfte Willie G. mitbestimmen, wie die Entwicklungsabteilung aufgebaut werden soll - ein Komplex, der 45 Millionen Mark kostete und 400 Angestellte auf 19 550 Quadratmetern kommod unterbringt. Samt modernsten Versuchseinrichtungen. In denen sich die Harley-Ingenieure so abwegigen Themen wie Schallentstehung und -vermeidung widmen, die sie bislang liebend gern außer Haus gaben. Zu Porsche. Damit die Eisenhaufen zukünftig noch mehr Strapazen ertragen, müssen sie bereits im Labor ihre Qualitäten beweisen. Hydropuls-Anlagen simulieren übelste Wegstrecken, ergänzen die aufwendigen Straßentests und verkürzen die Entwicklungszeit. In anderen Abteilungen werden elektronische Bauteile auf ihre Resistenz gegen äußere elektromagnetische Einflüsse abgecheckt und Leistung und Umweltverträglichkeit auf Aggregat- und Abgasprüfständen optimiert. Weil von einer Harley vor allem verlangt wird, daß sie verdammt gut aussieht und den Glanz der frühen Jahre bis ins hohe Alter konserviert, nehmen die Spezialisten in den Werkstofflabors Lackierungen, Beschichtungen und selbstverständlich auch den Chrom genauestens unter die Lupe.Die meisten Teile, die diese Experten prüfen, stammen aus einem der größten Departments des Entwicklungszentrums. Dort stellen Spezialisten mit ihrem umfangreichen Maschinenpark Einzelanfertigungen her, die alsdann mit modernsten 3-D-Geräten vermessen und zu kompletten Bikes zusammengesteckt werden.Die Vorlagen dafür stammen aus der eigentlichen Denkfabrik im ersten Stock, wo das Produkt von der ersten Idee über die computergestützte Konstruktion bis hin zum endgültigen Designentwurf heranwächst. Dreh und Angelpunkt der Kreativabteilung ist die weitläufige zentrale Halle, in der alle Prototypen stehen. Damit die immer im Blickfeld bleiben, gibt’s in Richtung darauf keine Wände. Das soll, so Präsi Bleustein, der Kommunikation ungemein förderlich sein. Große technische Neuerungen stehen demnächst an. Ein frischer Wind weht also bei Harley. Um so erstaunlicher, daß ausgerechnet ein Windkanal fehlt. Zumal Harley sich in Zukunft ja auch dem etwas sportiverem Bike widmen möchte. Aber vielleicht gibt’s so ein Gebläse im neuen Motorenwerk in Kansas, wo Harley zusammen mit Porsche die Triebwerke für die nächste Generation fertigen will. Doch die wird sich dem äußeren Anschein nach kaum vor der vorigen unterscheiden. Weswegen Legende Willie G. auch fürderhin die Packtaschen aus dem Regal holen darf.
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