Ohne Italien - das wäre wie Pommes ohne Ketchup (Archivversion)

Ohne Italien - das wäre wie Pommes ohne Ketchup

Im Motorradbau ist Japan heute mit klarem Abstand die Nummer eins. Erst jüngst auf der IFMA in Köln wurde dieser über Jahre hart erarbeitete Führungsanspruch eindrucksvoll unterstrichen: mit einer Modelloffensive ohnegleichen. Dennoch stellt sich angesichts dieser Stärke die Frage: Ist Japan wirklich alles? Führungskompetenz beim Motorrad setzt sich aus drei Faktoren zusammen. Faktor eins ist ohne Zweifel die Masse, der Verkaufserfolg in nackten Zahlen. In den Ländern der westlichen Welt dominieren die japanischen Motorräder nahezu alle Märkte. Faktor zwei ist die Technikkompetenz, die sich zum einen aus Produktqualität und zum anderen aus Technik-Innovation zusammensetzt. Auch hier sind die Japaner führend, wenngleich ihnen auf diesem Feld BMW (ABS, Katalysator, Fahrwerk), sowie Aprilia und Triumph in den vergangenen Jahren kräftig auf den Nippon-Pelz gerückt sind.Faktor drei ist das Design. Eigentlich müßte es der Faktor eins in der Rangfolge dieser Aufzählung sein, wird doch heute von immer mehr Motorradfans die Kaufentscheidung ganz wesentlich über die Optik einer Maschine getroffen. Auf diesem Feld waren in den vergangenen Jahren nicht die Japaner, sondern die Italiener unbestritten die Weltmeister. Beispiele dafür sind die Aprilia 250 RS, die Ducati 916 L, die Aprilia MOTO’ 6.5 und jetzt die Bimota 500 Vdue. Und genau hier, nämlich beim Design, setzt der Angriff der Japaner an. Was an sich nicht beunruhigend wäre, wenn, ja wenn nicht das Flaggschiff der italienischen Zweiradindustrie, nämlich der einstige Markenverbund Cagiva/Ducati/Husqvarna/MV Agusta mit lautem Getöse für jedermann sichtbar gegen die Klippen gerauscht und splitternd zerborsten wäre.Was jetzt aus den Trümmern sichtbar wird, nachdem sich Qualm und Rauch verzogen haben, stimmt wenig optimistisch: Bei Cagiva sind seit dem 16. September 80 Prozent der Belegschaft auf Kurzarbeit gesetzt - kein Geld, keine Teile, keine Produkte. Beim angesehenen Off Road-Hersteller Husqvarna sieht es ähnlich düster aus. Bei der Legende MV Agusta, deren Namensrechte die Cagiva-Eigner Castiglioni halten, gibt es Modelle noch immer nur auf dem Papier.Und auch bei Ducati weiß trotz millionenschwerer Übernahme durch einen US-Investmentfond niemand, wie es weitergehen soll. Denn langjährige Zulieferer, in den vergangenen beiden Jahren durch eine lausige Zahlungsmoral der Gebrüder Castiglioni immer wieder geprellt, üben sich nach wie vor in Lieferverweigerung. Quo vadis Ducati? Es ist zum Heulen.Und wie in der Branche zu hören ist, weiß auch niemand genau, ob der deutsche Vertrieb von Cagiva und Ducati zusammenbleiben wird, da doch in Italien in diesen Tagen mit Hauen und Stechen die Ehe zwischen eben diesen beiden Marken geschieden worden ist.Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist auch im Motorradmarkt so. Aber nur überstarke Japaner - das wäre Gift für den Markt und zudem ziemlich langweilig. Ein Glück wenigstens, daß sich neben der starken Marke Aprilia jetzt endlich Moto Guzzi und auch Laverda ein wenig zu berappeln scheinen. Denn eine Motorradszene ohne »bella Italia«, das wäre auf Dauer wie Pommes Frites ohne Ketchup und Mayonnaise. Mir schmeckt das nicht.Es grüßt Sie herzlichst Ihr
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