Piaggio kauft Aprilia (Archivversion)

Hochzeit auf Italienisch

Italiens Rollerriese Piaggio kauft den angeschlagenen Motorrad-
hersteller Aprilia und begründet damit den größten Zweiradkonzern Europas. Die Erlösung für die 1200 Aprilia-Beschäftigten kam am Freitag, den 13.: Mitten im August verkündete Piaggio die Übernahme mittels Umschuldung und einer Kapitalerhöhung um 50 Millionen Euro. Als Soforthilfe winken Aufträge und Motorenlieferun-
gen in Höhe von rund 20 Millionen Euro. »Nach den Sommerferien«, so ein Aprilia-Betriebsrat, »hätten wir sonst wohl nicht wieder
aufmachen können.« Seit Jahresanfang hatte sich die Krise wegen der schätzungsweise 300 Millionen Euro Schulden dramatisch zugespitzt. Im Mai musste Ivano Beggio, der Aprilia über 30 Jahre lang aufgebaut hatte, seinen Präsidentensessel räumen, die Banken gewährten einen Überbrückungskredit. Doch das Geld war im Sommer aufgebraucht, und ein Angebot von Ducati lehnte Aprilias Verwaltungsrat Ende Juli ab. Jetzt
entsteht durch den Zusammenschluss von Piaggio
und Aprilia ein riesiges Firmenkonglomerat: 600000 Fahrzeuge und 1,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, 6000 Beschäftigte, Werke in Italien, Spanien, Indien sowie China und insgesamt sieben Marken, denn Piaggio bringt Gilera, Derbi und Vespa mit, Aprilia
noch Moto Guzzi und Laverda. Bleibt offen, wie die
Integration konkret aussehen wird. In einer Piaggio-Erklärung heißt es, dass Standorte und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Doch die Rollerpaletten von Piaggio und Aprilia überschneiden sich. Die Gewerkschaften fürchten daher, dass über kurz oder lang viele Modelle und damit Arbeitsplätze verschwinden. Fraglich scheint zudem, was unter der Führung des Rollerherstellers Piaggio mit den Motorrädern von Aprilia und Guzzi passiert. Piaggio-Boss Roberto Colaninno, der nach eigenem Bekunden noch nie auf einem Motorrad gesessen hat, denkt an einen europäischen Transport-Pool. Neben Piaggio und Aprilia hat er
eine große Werft gekauft, und laut Financial Times
liebäugelt er mit einem Einstieg bei Fiat. Ein erstes Indiz dafür, wie es mit den Motorrädern weitergeht, liefert die Messe Intermot im September: Dort soll
die neue Aprilia Pegaso mit dem 660-cm3-Motor
von Yamaha vorgestellt werden, und auch die
Piaggio-Gruppe wird Motorrad-Prototypen zeigen.
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