Porträt Heiner Sefranek (Archivversion)

Der Blaumann

Der Mann, der Jeans verkauft, wie er Motorräder kauft.

Droben, auf den Hängen über Künzelsau, lässt Schrauben-Zampano Würth Gewinde schnitzen; drunten, in den Niederungen, schaffen Hohenloher mit geschmeidigerem Material. Dort macht sich Mustang, Deutschlands größter Jeanshersteller, breit. Herr Würth thront auf aufgemotzter Harley. Die hat dem Patriarchen seine Belegschaft verehrt. Herr Mustang fährt Yamaha Wild Star. Damit hat Heiner Sefranek – selbst ist der Mann - sich höchstpersönlich beschert.»Ich habe geschwankt zwischen einerFat Boy, einer F6 und eben der Wild Star. Der Harley-Dealer wollte mich bis Frühjahr vertrösten, der Honda-Händler konnte keine Probefahrt organisieren, nur die Yamaha-Vertretung hielt eine Maschine parat.« Das - und natürlich auch die Wild Star - hat Sefranek ungemein imponiert. Schließlich weiß der Mann, wie wichtig es ist, mit Ware stets präsent zu sein. Tut Not in einer notorisch kriselnden Branche, die, so Sefranek, »von der Politik aufgegeben worden ist. Es ist durchaus gewollt, Bekleidung von außen zu beziehen, damit man Technologie exportieren kann«. Sefranek ist in Mustang hinein gewachsen. Großmutter hat die Firma gegründet, dann Vater sie geleitet, jetzt ist der Enkel dran. »Mein Büro war früher mein Kinderzimmer.« Da tat es schon verdammt weh, Anfang der neunziger Jahre, als er die Verantwortung übernahm, die Herstellung ins Ausland zu verlagern. »Wir produzierten damals 80 Prozent unserer Jeans in Deutschland, waren nicht mehr konkurrenzfähig.« Sefranek steckte in einem Dilemma. »Ich kannte die Leute über viele Jahre, aber wenn der ganze Betrieb kaputt geht, ist erst recht niemandem geholfen.« Zur Charakterisierung dessen, was dann kam, wird gern das Allerweltswort »sozialverträglich« bemüht. Um die Brüchigkeit, oft genug sogar Verlogenheit dieses Begriffs, weiß Sefranek nur zu gut Bescheid. »Aber ich hatte keine andere Chance, die 500 Arbeitsplätze in Künzelsau zu retten.« Sefranek, der gern lacht, ist, als er über diese Phase seines Lebens redet, von unerschütterlichem Ernst. »Der Leidensdruck war groß.« Nicht nur beim Neuorganisieren von Mustang. Also machte Sefranek trotz der Horrorvorstellung, wieder die Schulbank zu drücken, noch den Einser. Dreißig Jahre zuvor, mit 18, hatte Muttern ihn bestochen. Mit einem Auto. Weil Motorradfahren - Mütter denken das gern - ach so gefährlich sei. Weswegen die Zündapp KS 50 Super, auf der er die hohenlohischen Sträßchen mit Tempo 70 rauf- und mit 90 runterkurvte, von da an ein Schatten- und Garagendasein führte. Doch die Gedanken an glorreiche Zeiten auf zwei Rädern wollten nicht mehr aus Kopf und Bauch. Wie mächtig der Leidensdruck auf Sefranek lastete, beweisen seine Fahrleistungen. Mitte November holte er sich die Lizenz zum Fahren, und im Januar hatte die Wildstar bereits 7000 Kilometer auf der Uhr. Auch im Sturzregen hat man ihn schon über die Alpen serpentinen sehen. »So durchnässt und verdreckt, wie ich aussah, behauptete der Empfangschef in Mailand, das Hotel sei ausgebucht.« Sefranek befand sich in der angenehmen finanziellen Situation, nonchalant zu kontern. »Wenn kein Zimmer mehr frei ist, nehme ich eben die Suite.«Schnell und unkonventionell zu reagieren gehört nun mal zu seinem Job. Als Sefranek nach dem Studium der Betriebswirtschaft und einem Praktikum in den USA bei Mustang einstieg, gab’s prompt Zoff mit dem Herrn Papa. Der setzte bei Werbung und Marketing traditionsbewusst auf den Fachhandel, der junge Sefranek wollte obendrein direkt an den Kunden ran, setzte, allen Widerständen zum Trotz, einen Laden nur für Mustang-Klamotten durch, ging alsdann in Urlaub. Hätte er nicht tun sollen, kaum dass er weg war, macht der Alte des Jungen Einfall dicht. Heute lacht Sefranek darüber, das Verhältnis zum Vater ist, seitdem der die Firma verlassen hat, »unbeschwerter als je zuvor«. Sefranek hat seine Ziele durchgesetzt, es gibt Stores und viele Marken - Mustang für den Mainstream-Kunden, W. & L.T. für die Trendbewussten, Joop! für die Betuchten, Bogner-Jeans für die Sportiven. Jetzt gedenkt Sefranek seinen Fuhrpark ähnlich markant zu diversifizieren. »Ein Tourer wäre nicht schlecht, und eine Enduro müsste eigentlich auch noch ran.“
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