Porträt Ronald März (Archivversion)

Der Kommissar

Vom Kriminalbeamten zum Ducati-Importeur.

Tatort Ettlingen. In dem Vorort von Karlsruhe hat der organisierte Ducati-Handel in Süddeutschland seinen Sitz. Hier residiert Ronald März, seines Zeichens offizieller Importeur, parallel zur Ducati-Niederlassung in Köln. Eine ungewöhnliche Konstellation, die mit der Person März zu tun hat. Denn der 43-jährige Ex-Kripobeamte ist kein schlichter Händler oder Importeur, sondern ein Ducati-Besessener. Seine Leib- und Magenmarke bringt der Badener seit Jahren im großen Stil unters deutsche Motorradvolk. Anfangs als Grauhändler. Solange, bis Ducati die Faxen dicke hatte und die Liaison einfach legalisierte. Das war Anfang 1997, der US-Investment-Fonds Texas Pacific Group stieg gerade bei Ducati ein, und die Manager zeigten sich beeindruckt von März« Erfolgen, der mehr Ducati-Motorräder nach Deutschland brachte als der eigentliche Importeur.Dann gründete Ducati eine Deutschland-Niederlassung, fand zunächst aber keine Möglichkeit, den eigenwilligen Unternehmer in die Firmenstruktur zu integrieren. Das Angebot, Angestellter zu werden, lehnte März ab. »Ich kann und will mich und meine Händler selber organisieren. Und wenn Bologna mich machen lässt, dann wird das nicht zum Schaden von Ducati sein.« So sehen das mittlerweile auch die Bosse in Bologna. März ist mit rund1500 verkauften Motorrädern pro Jahr eine wirtschaftliche Größe. Und so koexistieren in Deutschland rund 80 Ducati-Motor-Deutschland-Händler mit 40 so genannten März-Ducati-Händlern. Gleichberechtigt und weitgehend friedlich.Gelegentlich prallen aber doch zwei Welten aufeinander. Nämlich dann, wenn März seine Lust am Perfektionismus nicht bremsen kann. Das war schon so, als er den Handel mit Ducati-Ersatzteilen neben seinem Hauptberuf bei der Kripo betrieb. »Ich hatte alle vorrätigen Teile katalogisiert. Das war damals offenbar nicht üblich, und so haben sich immer mehr Händler an mich gewandt.« Gelernt hat er diese Akkuratesse beim mobilen Einsatzkommando der Kripo, wo er jahrelang das organisierte Verbrechen observierte. Viel spricht der zurückhaltende Badener nicht über diese Zeit. »Da ging es vor allem um Waffenhandel und Schwerkriminalität.« Gespräche am Nebentisch belauscht er auch heute noch gern, vor allem, wenn es um Ducati geht. Als sich der Handel mit Ducati-Teilen und bald auch Motorrädern zum veritablen Geschäft ausweitete, hängte März die Beamtenlaufbahn an den Nagel. Jetzt, 14 Jahre nach seinem Abschied vom organisierten Verbrechen, ist der perfekt organisierte Motorradhandel sein Ziel. Und damit haben die Italiener mitunter so ihre Schwierigkeiten. Zwar hat sich bei Ducati viel verbessert, seit die Amerikaner dort das Sagen haben, aber ganz so perfekt, wie März das gern hätte, läuft es eben doch nicht. Und wird es wohl auch nie, denn deutscher und italienischer Arbeits- und Lebensstil sind nur teilweise kompatibel. Anzughasser März, der am liebsten in Jeans und Birkenstock auftritt, verwirrt die elegant gewandeten Italiener. Anstatt sich, wie sich das in Italien gehört, in Diplomatie zu üben, fällt seine Kritik meist direkt und harsch aus. Und so schätzen ihn seine italienischen Geschäftspartner zwar einerseits wegen seiner Offenheit, seiner technischen Kompetenz und seiner hervorragenden Kenntnis des deutschen Marktes. Anderseits beklagen sie seine teutonische Sturheit und Besessenheit: Auch nachts um zwölf nach einem opulenten Bologneser Abendessen mit hervorragenden Weinen spricht März bevorzugt über Ducati. »Das ist wie ein Bazillus, mit dem ich mich infiziert habe«, gibt der Hobby-Rennfahrer denn auch unumwunden zu. Angefangen hat alles vor über 20 Jahren. März fuhr damals Yamaha-Cup und hatte mit Italo-Bikes nichts am Hut. Bis ein Freund ihn fragte, ob er nicht mit ihm eine 600-Kilometer-Zuverlässigkeitsprüfung fahren wollte ­ auf einer 750 SS mit Rechtsschaltung. So fand März zu Ducati - und damit zur zweiten Liebe seines Lebens. Die erste heißt Beatrix, arbeitet im Betrieb mit, kümmert sich um die vier Kinder, nimmt März’ Hobby, die Schlangenzucht, geduldig hin und toleriert, dass sich ihr Mann auch heute noch bei Clubrennen mit Vehemenz ins Getümmel stürzt. Trotz des Schädelbasisbruchs, der 1983 seine Rennsportkarriere beendete. Bei diesen schnellen Runden legt der sonst so bescheidene März ausnahmsweise mal eine gewisse Eitelkeit an den Tag: »Vergangenes Jahr eine Minute zehn in Hockenheim – nicht schlecht, oder?«
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