Porträt The Clan MC Dresden (Archivversion)

Die Zwinger

In Dresden gibt es einen Colour tragenden Club. »Natürlich nur einen einzigen«, darauf besteht der Clan. Und auf den barocken Zwinger als neues Clubhaus.

Unser Gelände ist leicht zu finden. Direkt gegenüber vom Puff.« Rotlicht, Industrie, miese Wohnlage. Aber da gehört der Clan MC auch hin - als überzeugter »Einprozenter«. Ein schier magischer Begriff in der Rockerszene, seit der amerikanische Motorradfahrerverband die Öffentlichkeit nach deftigen Krawallen beschwichtigen wollte und behauptete, nur ein Prozent der Biker sei »kriminell«. Ein paar Mitglieder des Clan stecken zur Zeit im Knast. Weil’s Böse-Buben-Image verpflichtet, hauen die Jungs gewaltig auf die Pauke: »Irgendwie mußten wir unser Geld ja verdienen.« So läuft’s halt, wenn man hundertprozentiger Einprozenter sein will. Manchmal aus dem Ruder.Mindestens 650 Kubik muß jeder vom Clan unterm Hintern haben, steht in ihrer Satzung. Harley sind nicht vorgeschrieben, aber die Regel. Also harren einige Member noch ihrer Evos, die gerade über den großen Teich schippern. Bis sie durch Elbflorenz brummen, muß Präsident Heiko seine betagte Shovel noch mit der blanken Klinge anwerfen. Wenn’s nicht klappt, den Anlasserkontakt auf diese Weise zu schließen, muß eben ein Mitglied zur großen Schiebung ran. »Wir haben Dresden übernommen, bevor andere das tun konnten«, lautet das Credo im Clan. Daß das Fakt ist, müssen sie nur noch gelegentlich erklären. Dafür um so öfter, daß es nicht so einfach ist, bei ihnen Mitglied zu werden. Helmar, Krischan und Zille spielen Darts, und da eröffnen sich dem aufmerksamen Zuschauer feine Unterschiede. Nicht in der Wurftechnik, sondern im Zierat der Kutten. Helmar trägt »MC Dresden« auf dem Rücken, und das zeigt an: Er ist »Prospect, erste Stufe«. Krischan - seine Anwärterschaft dauert schon ein bißchen länger - hat’s immerhin schon zum Schriftzug »The Clan MC Dresden« gebracht, nur auf Zilles Leder prangt ein komplettes Colour. Ein Jahr lang müssen die Prospects sich bewähren. Momentan herrscht Aufnahmestopp: Nur wenige sind berufen. Der Andrang war nicht immer so groß, denn früher ging’s in Dresden mitunter ziemlich rauh zu. Bis der White Priest MC, der sich 1994 gegründet hatte, die Sache ein für allemal bereinigte. Und das, gesteht der Clan, »mit einem gewissen Gewaltpotential«. Aus den Weißen Priestern entstand 1996 der Clan. »Mit neuen Leuten und einem neuen Konzept«, erklärt Vize Oswald. Und das heißt für den Club: Weg vom Kommerz, weg von den riesigen Bikerpartys. In Dresden feiern sie nur mit Freunden und nur auf Einladung. Daß sie sich fast alle die Haare abgeschnitten haben, dürfe, so der Clan, nie und nimmer politisch gesehen werden: »War plötzlich Clubmode.« Beim Bundesligisten VfB Stuttgart war unlängst ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Und solange es der Meisterschaft dient, sind bekanntermaßen fast alle Mittel erlaubt.Doch definitiv keine Drogen. »Die stehen bei uns unter striktem Verbot. »Der Clan dementiert noch andere Gerüchte: »Wir wollen nicht auf Biegen und Brechen expandieren und auch kein anderes Colour übernehmen, obwohl wir gute Verbindungen zu großen Clubs haben.« Womit natürlich die MCs aus dem Westen gemeint sind, die liebend gern treuhänderische Filialen in den neuen Bundesländern gründen. Der Clan weiß sich eben zu benehmen. Und er steht sogar auf Kultur. Einige Members versichern glaubhaft, den Dresdner Zwinger nicht zum ersten Mal zu sehen. »Haben wir uns schon mal angeguckt. Wird unser neues Clubhaus.«
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