Preisspiegel Harley-Davidson (Archivversion)

Schwer-Metall

Die Preise für uralte Harley sind so gesalzen, daß auch Liebhaber schon mal trocken schlucken müssen. Der Haufen Schwermetall auf dem Treffen jedenfalls ist schier unbezahlbar.

Soviel Harley war noch nie. Weder weltweit noch in Deutschland. Der wundersame Boom dieses alten Motorradherstellers aus den USA seit Anfang der 90er Jahre ist ein Phänomen. Wie bei einem Kunstwerk gilt noch immer das Kriterium, daß zum Erfolg einer Marke an ein paar wichtigen Stellen auch das Glück hinzukommen muß.Wer auf im Frühjahr 1996 ein gebrauchtes Alteisen aus Milwaukee sucht, wird feststellen, daß unter 10 000 Märkern kaum was geht. Vielleicht eine Sportster mit Shovelhead-Motor aus den späten 70ern. Selbst der kleinste Evolution-Hugger liegt um 2000 Mark höher, wenn er original ist, umgebaut wird’s noch teurer. Wie sonst nur noch bei BMW sind Umbauten bei Harley-Davidson fast nie wertmindernd - im Gegenteil. Die dicke Felge, der zusätzliche Kickstarter, die Ochsenaugen am neuen Lenker, alles kostet Aufschlag. Das kommt unter anderem daher, daß in Deutschland ein ziemlich konformes Umbauniveau vorherrscht. Und solange die Teile rarer sind als die Nachfrage, zahlen sich die Kosten für einen mehr oder minder geglückten Umbau natürlich aus.Zu Beginn des Booms bot Harley die Sportster 883 in ihrer Heimat für 3999 Dollar an. Der Preis kam bei vielen »Noch nicht«-Harley-Fahrern an. Harley hat inzwischen eine ganz neue Kundschaft. 1995 produzierte die Factory 106 000 Einheiten, von denen 18,35 Prozent oder etwas mehr als 5750 Maschinen nach Deutschland exportiert wurden.Aber offensichtlich sind das trotz der knappen Mark immer noch nicht genug, so daß beliebte Modelle wie die Fat Boy oder die XL 883 auf dem Gebrauchtmarkt mit hohem Wiederverkaufswert gehandelt werden. Das könnte nur unter einer realistischen Bedingung anders werden. Harleys Prognose für das Jahr 2001: »Wir werden unsere Produktion auf 200 000 Einheiten per anno gesteigert haben.« Wenn der Boom so lange anhält, werden 20 Prozent der Produktion für den deutschen Raum knapp 40 000 Stück bedeuten, etwa so viele, wie der der Marktführer Suzuki 1995 abgesetzt hat. Spätestens dann müßten gebrauchte Harley etwas preiswerter werden.Da derzeit aber die Nachfrage noch höher ist als das Angebot, sind die Preise, die eurotax/SCHWACKE angibt, etwas theoretisch. In der Praxis werden etwa zehn Prozent draufgeschlagen. Einfach zu verstehen, auch wenn es den Harley-Käufern wehtut.
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Interview (Archivversion) - «Nur 30 Prozent original“

? Wieviel der gebraucht angebotenen Harley sind Ihrer Einschätzung nach umgebaut?Knapp 30 Prozent sind wohl noch original.? Sind für 1996 mehr Maschinen nach Deutschland ausgeliefert worden als im Vorjahr?Das Kontingent für dieses Jahr ist höher. Aber die Distribution hängt in erster Linie von den USA ab.? Heißt das, die Kapazität ab Werk, also die Stückzahlen, sind höher, oder, der Verkauf in den USA stagniert, so daß Harley mehr exportieren kann?Deutschland ist der stärkste Abnehmer in Europa, eigentlich logisch, daß Harley USA darauf reagiert.? Welche Modelle sind gefragt?Ganz eindeutig die Heritage-Modelle. Und zwar in der Reihenfolge Classic, Fat Boy und Special.Und welche Modelle gehen dieses Jahr nicht so gut?Die Sportster Reihe, dann die Softail Custom und die Dyna Glide.? Bedeutet das, daß das Sportster-Segment trotz der Harley Cup-Aktivitäten ausgeschöpft ist?Erst mal heißt das, einige reagieren darauf, daß sie in der Harley-Familiy mit den Babys, also den Sportstern, eher belächelt werden.? Ist das vielleicht typisch deutsch?Nein, diese Haltung wird kritiklos aus den USA übernommen.? Dann müßten gebrauchte Sportster jetzt günstig zu kaufen sein?Wer sich entschließt, schnell wieder zu verkaufen, tut das meistens auf dem freien Markt oder gleich unter der Hand. Da werden die besten Preise erzielt.? Laut Sonny Barger, Chef der Hells Angels in den USA, laufen Harley schlecht und bremsen kaum. In zehn Jahren würde die Firma bereuen, so schlechte Qualität geliefert zu haben. Wie kommt er darauf?Wahrscheinlich ist er Anteilseigner der Firma, mit deren Spezialteilen er die Maschine seiner Frau Sharon umgebaut hat. Nein, ernsthaft: Ich glaube kaum, daß Harley der Firma Porsche soviel Geld für die Entwicklung der Evolution-Motoren abgedrückt hätte, wenn das nicht der Qualität und Solidität der Marke ganz entscheidend zugute gekommen wäre..

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