Preziosi, Filippo: Interview (Archivversion)

Filippo Preziosi, technischer Direktor der Ducati-Rennabteilung, zur Entwicklung des Vierzylinders, mit dem das Bologneser Werk 2003 in die MotoGP-Weltmeisterschaft kommt.

?Der Desmosedici ist eine völlige Neukonstruktion. War das denn nötig, nachdem die Ducati-Superbike-Piloten mit ihrem aktuellen Testastretta-Zweizylinder auf etlichen Rennstrecken schon Rundenzeiten wie die Grand-Prix-500er fuhren?Die letzten Wintertests zeigten ja, dass die Viertakt-Piloten bereits schneller sind als die Zweitakt-500er. In einer 135-Kilogramm-Maschine wäre unser fast 190 PS starkerTestastretta-Motor sicher mit den 500ern konkurrenzfähig, nicht aber mit den neuen Viertaktern. ?Sie sagen, der Desmosedici sei trotz seiner vier Zylinder ein typischer Ducati-Motor. Warum?Das V-Layout mit 90 Grad Zylinderwinkel, die desmodromische Ventilsteuerung und der Twinpulse-Effekt machen den Desmosedici zu einem Ducati-Triebwerk. Das 90-Grad-Layout ist vorteilhaft für den Massenausgleich, eine fundamentale Anforderung an einen Motor, der bis zu 18 000/min drehen soll.?Wie funktioniert der Twinpulse-Effekt?Obwohl der Desmosedici-Motor vier Kolben hat, wird die typische Charakteristik eines Zweizylinders erhalten. Anders als konventionelle Vierzylinder, die bei jedem kompletten Arbeitstakt vier Zündungen haben, hat der Twinpulse nur zwei, denn wir zünden die beiden Zylinder einer Bank jeweils gleichzeitig. ?Ist die Verwendung der Desmodromik ein Zugeständnis an Ducati-Design-Prinzipien?Nein. Wir haben uns für die Desmodromik entschieden, weil sie beispielsweise besonders im unteren und mittleren Drehzahlbereich viel weniger Leistung schluckt als andere Ventilsteuerungs-Systeme. Außerdem können damit die benötigten hohen Drehzahlen erreicht werden, ohne dass wir uns der Komplexität, den Kosten und den Problemen mit der Zuverlässigkeit pneumatisch unterstützter Systeme aussetzen.
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