Private Überzeugungstäter (Archivversion)

Private Überzeugungstäter

Die Nachwuchsförderung im deutschen Motorradrennsport kommt ausschließlich aus privaten Initiativen.

Sie haben sich nicht abgesprochen. Aber sie fanden fast zwangsläufig zusammen. Leute wie Dieter Theis, Thomas Schwarz und Harald Eckl haben erkannt, was selbstverständlich sein soll, vor allem in den verschiedenen Motorsportverbänden in Deutschland aber noch nicht entdeckt wurde: Jeder Spitzenfahrer fängt als Nachwuchsmann an.Konzepte zur Förderung talentierter junger Fahrer, die aus der gut funktionierenden Anfänger-Liga ADAC-Junior Cup aufsteigen und sich in Richtung Profisport orientieren wollen, aber kamen bisher nur aus zufälliger Eigeninitiative. Dieter Theis etwa gründete seine Racing Factory um den damaligen Kinderstar und Moto Cross-Jugend-Meister Alexander Hofmann, als er selber durch das Ende seiner Zusammenarbeit mit dem Grand Prix-Fahrer Stefan Prein eine neue Aufgabe mit Erfolgsperspektive suchte. »Wir haben 1995 mit Alexander Hofmann einen klaren Karriereplan entwickelt, ab 1999 Grand Prix zu fahren«, so Theis, »bisher sind wir im Plan. Aber das läuft alles nur in Eigeninitiative. Seitens der Verbände, sei es DMSB oder ADAC, kommt fast nichts. Die bewundern nur Valentino Rossi, der mit 17 Jahren schon 125er Weltmeister ist. Aber sie vergessen, daß der Junge schon mit 13 von der italienischen Föderation gefördert wurde und mit 15 in der EM war. Wir haben diese Talente auch. Aber bei uns ist ihre Entdeckung von Zufällen privater Föderung abhängig.«So ist es kein Wunder, daß die Theis’sche Rennfabrik 1998 mit dem Motorzubehör-Konzern Hein Gericke zusammenarbeitet. Der 18jährige deutsche 125er Vizemeister Hofmann wird bei seinem Aufstieg auf einer 250er Honda in DM und EM von Gericke ausgestattet.Das eigene Hein Gericke-Castrol-Junior-Team wird von Thomas Schwarz koordiniert und tritt auf verschiedenen Ebenen an: mit den offiziellen Fahrern Dirk Heidolf, 21, und Christian Gemmel, 19, unter Leitung von Teamchef Stefan Kurfiss auf Honda in der 125er DM und EM. Außerdem gehören mit Kawasaki-Supersport 600-Weltcup-Youngster Stefan Nebel, 17, und 125er Aprilia-GP-Werksfahrer Steve Jenkner, 21, zwei junge Angreifer zum HG-Club, die unter den Fittichen von Harald Eckl ihren Weg nach oben suchen.Der Teamchef des offiziellen Kawasaki-Superbike-WM-Teams ist bekannt für feinsinnigen und doch zielgerichteten Umgang mit Jung-Rennfahrern, hat er doch Peter Öttl endlich zu stabilen WM-Top-Ergebnissen geführt und aus Manfred Geißler einen Aprilia-Werksfahrer gemacht.Über sinnvolles weiteres Vorgehen sind sich die Herren Theis, Schwarz und Eckl durchaus einig. »Es geht nicht darum, den ADAC wegen Untätigkeit zu attakieren«, so Theis, »wir müssen sie überzeugen, daß eine wirklich erfolgversprechende Nachwuchsförderung zentral koordiniert werden muß. Alle wichtigen Instanzen wie Verbände, Industrie, Sponsoren und Teams müssen an einem Strang ziehen. So sollten die ersten vier des Junior Cup in konkurrenzfähige 125er DM-Teams aufsteigen können. Das kostet gar nicht so viel Geld und wäre der Einstieg in die vielbeschworene Rennsport-Nationalmannschaft. Aber da müssen DMSB und ADAC mitziehen. Auf Privatebene wie jetzt können wir immer nur Stückwerk liefern. Wir brauchen aber dringend neue Helden in diesem Sport. Was wäre denn die Formel 1, der Radsport, Tennis ohne Schumacher, Ulrich und Becker?“
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