Querelen im elf-Team (Archivversion)

Szenen einer Ehe

Seit der Entlassung der Jürgen Fuchs-Mechaniker herrscht Friedhofsruhe in der Box des elf-Teams: Statt Kritik gibt´s Dienst nach Vorschrift.

Seit seinem Einsteig bei elf mußte die 500er von Jürgen Fuchs je nach Verfügbarkeit mit mehr oder weniger gebrauchten Teilen zusammengepuzzelt werden. Die Schäden häuften sich wie bei einem überalteten Reaktor. Mechaniker Konrad Hefele reagierte mit konstruktiver Kritik, mit Hohn und Spott, gelegentlich auch mit Schimpfworten. Am Schluß reichte schon ein strafend geschleuderter Blick, um Motorenkonstrukteur und Technik-Chef Urs Wenger zur Weißglut zu treiben.Obwohl ihnen keine Fehler nachzuweisen waren, wurden Hefele und sein Kollege Karl-Heinz Schmitt nach dem Assen-Grand Prix fristlos entlassen. Teambesitzer Michel Métraux: »Sie haben gut gearbeitet, doch die Athmosphäre war untragbar.«Fuchs selbst sicherte er zu, daß sie die Saison gemeinsam durchziehen.Hätte sich Métraux nicht als Vertrauensperson zwischen die Fronten gestellt, so hätte die Sache »keinen Sinn mehr für mich gehabt«, erklärt Fuchs. Denn vom Geist konstruktiver Zusammenarbeit ist derzeit wenig zu spüren. Bei Swissauto wurde einstimmig beschlossen, er solle sich aus technischen Fragen heraushalten und sich ganz aufs Fahren konzentrieren. »Seither bin ich bewußt selten in der Box«, sagt Fuchs.Und seither verwalten neue Mechaniker um den Schweizer Ex-GP-Piloten Thierry Feuz die Krise - und lernen die elf von genau der gleichen Seite kennen wie ihre Vorgänger. Kleine Kostprobe: Am ersten Tag lief der Motor schlecht, worauf über Jürgens Fahrstil und seine Getriebeabstimmung diskutiert wurde. Abends wurde dann eine defekte Einlaßmembran, Kolbendetonationen und eine falsch eingestellte Auslaßklappe entdeckt.Im freien Samstagstraining drehte der Motor plötzlich im Standgas hoch - die Zylinderfußdichtung hatte sich verflüchtigt. Im Abschlußtraining verbrühte sich Fuchs den Arm mit heißem Kühlwasser, worauf die Mechaniker Wasser nachfüllen und ihren gebeutelten Piloten wieder auf die Piste schicken wollten. Fuchs bestand auf eine Kontrolle: Am Wasserpumpenantrieb war eine Schraube locker. Als er nach der Reparatur auf die Strecke ging, brach nach zwei Runden der Auspuff, nach einem Wechsel ein neuer ebenfalls. Daß er tags darauf im Rennen trotz einer falsch eingestellten Kupplung zwei WM-Punkte erbeutete und rundenlang mit Daryl Beattie kämpfte, erschien als kleines Wunder. Daß kleinere Defekte den Erfolg so erfolgreich verhindern, könnte sich durch einen prominenten Partner ändern. »So ein Kenny Roberts wäre schon was. Der würde ganz anders auf den Putz hauen«, kommentierte Fuchs das jüngste Gerücht, demzufolge das Roberts- und das elf-Team gemeinsame Sache machen und die Modenas bald mit dem Swissauto-V4 angetrieben wird.Eine solche Kooperation wäre vor allem für Michel Métraux verlockend. Der Schweizer Geschäftsmann stieß zwar über das elf-Projekt zu Swissauto, ist dort nun aber eher an der erfolgreichen Vermarktung eines im Auftrag von Greenpeace entwickelten Kompressor-Ökomotors interessiert. Ein Motoren-Deal mit Roberts würde ihn nicht nur aus dem Joch des bislang von ihm allein finanzierten elf-Jahresbudgets von drei Millionen Franken befreien, sondern auch noch das Renommee bescheren, den Swissauto-Motor in die Topelite der Motorrad-WM katapultiert zu haben. Doch ob der Fisch an die Angel gehen wird, ist mehr als fraglich. Denn Kenny Roberts verspürt wenig Lust, vom Regen in die Traufe zu geraten und sich mit einem neuen Motor neue Probleme aufzuhalsen. »Werde ich Doohan mit einem elf-Motor schlagen können?« fragt sich King Kenny.
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