Ralf Waldmanns erster Aprilia-Test (Archivversion)

Altes Spiel, neues Glück?

Mit seinem alten Team nimmt Ralf Waldmann einen neuen Anlauf auf den 250er WM-Titel. Auf einer Aprilia-Werksmaschine soll endlich der große Wurf gelingen.

Teamchef Dieter Stappert war mehrmals zum Flughafen in Jerez geeilt, um seinen alten und neuen Schützling Ralf Waldmann zu den ersten Testfahrten für die nächste Saison abzuholen - vergeblich. Aber Waldi hatte es sich nicht noch einmal anders überlegt, sondern er bekam in Madrid wegen starken Nebels keinen Anschlußflug und erreichte Jerez deshalb erst mit einem Tag Verspätung. Im Süden Spaniens konnten die Bedingungen allerdings kaum besser sein: Die Dezembersonne wärmte mit traumhaften 25 Grad - da läßt es sich trefflich Motorrad fahren. Ralf Waldmann war keine Nervosität anzumerken, aber wahrscheinlich muß es doch ein besonderer Termin für ihn gewesen sein, als er in Jerez erstmals wieder für das Team um Dieter Stappert und Cheftechniker Sepp Schlögl fuhr, jener Mannschaft, mit der er sich Ende 1997 nach der knapp gegen Max Biaggi verlorenen WM unter anderem wegen finanziellen Dingen so heftig verkracht hatte. Für die Stappert-Crew folgte ein Lehrjahr mit Stefano Perugini in der 250er WM, für Waldi eines mit der 500er Modenas. Inzwischen hat man sich wieder zusammengerauft und will nun alles tun, um endlich Ralf Waldmanns großes Ziel zu erreichen: den 250er WM-Titel. Das soll mit Aprilia gelingen, der überlegenen Weltmeistermarke dieser Saison. Dort ist die Stappert-Truppe wie in den vielen Honda-Jahren nicht mehr ein Kundenteam von mehreren, sondern sie darf sich erstmals als echtes Werksteam fühlen. Die venezianische Firma setzt 1999 in der 250er WM auf Vize-Weltmeister Valentino Rossi und Ralf Waldmann, dem zwei Werksmaschinen zur Verfügung stehen. Tetsuya Harada steigt zu den 500ern auf. »Wir hoffen, daß Ralf das Potential unserer Maschinen optimal ausnutzen kann und werden ihm alle Unterstützung geben, daß dies gelingt«, verspricht Jan Witteveen, der Chefingenieur der Aprilia-Rennabteilung. Auch die finanzielle Seite soll Waldi laut Witteveen kein Kopfzerbrechen bereiten: »Wir sorgen dafür, daß Ralf die Saison ohne Probleme fahren kann.« Will heißen, daß Aprilia einspringen wird, wenn das mit drei Millionen Mark veranschlagte Budget des Teams für die nächste Saison nicht durch Sponsoren abgedeckt werden kann. Sepp Schlögl war von dem Renner aus Noale auf Anhieb begeistert. »Die Aprilia bietet eine perfekte Basis, da stimmen auch die kleinsten Details«, lobte der bayerische Tüftler. Und was sagte der Fahrer nach den ersten Testrunden in Jerez? »Das Motorrad fährt sich so, wie ich es erwartet hatte«, stellte Waldi sachlich fest. »Der gutmütige Honda-Membranmotor war auch im unteren Drehzahlbereich leicht zu beherrschen und daher fast für Otto Normalverbraucher geeignet. Beim Aprilia-Drehschieber mußt du immer den richtigen Gang drin haben, denn unter einer bestimmten Drehzahl läuft da nichts. Aber ab 10 000 Touren geht die Post richtig ab.« Sehr angetan war der Sauerländer vom hart abgestimmten Öhlins-Fahrwerk: »Die Maschine liegt phantastisch.« Der Aprilia-Neuling fuhr in Jerez mit dem 1998er Modell am ersten Tag eine Bestzeit von 1.47,48 Minuten. Im Laufe der drei Testtage steigerte sich der 32jährige Rennprofi auf XXXXXXX. Zum Vergleich: Der 250er Rundenrekord in Jerez von Weltmeister Loris Capirossi liegt bei 1.45,25, Valentino Rossi hatte diese Marke bei November-Tests mit 1.44,20 allerdings noch deutlich unterboten. »Fahren, fahren, fahren«, lautet jetzt die Devise von Ralf Waldmann, der schon im Januar wieder zum testen nach Jerez zurückkommt. Vielleicht sind die Flugverbindungen dann ja besser...
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