Rechtslage (Archivversion)

Rechtslage

Als Motorradfahrer muss man damit rechnen, dass ein Autofahrer, der erkennbar auf der rechten Straßenseite nach einem Parkplatz sucht, plötzlich nach links abbiegt. Wer trotzdem überholt und mit dem Auto zusammen stößt, muss 50 Prozent seines Schadens selbst tragen, auch wenn der Autofahrer nicht geblinkt hat. Mit dieser Begründung kürzte das Oberlandesgericht Köln einem Suzuki-Fahrer Schadensersatz und Schmerzensgeld um die Hälfte (AZ 19 U 103/98). Der Biker hatte im Juli 1997 in Köln an einem langsam fahrenden Auto vorbeiziehen wollen, dessen Fahrer rechts nach einem Parkplatz Ausschau hielt. Dieser bog allerdings plötzlich nach links in eine Seitenstraße ab; es kam zur Kollision, bei der der Suzuki-Fahrer verletzt wurde. Wegen der unklaren Verkehrslage habe der Motorradfahrer nicht überholen dürfen; andererseits hätte der Autofahrer seine ohnehin bestehende Rückschaupflicht intensivieren müssen, urteilte das OLG und bewertete beider Verschulden als gleich hoch. Außerdem begrenzten die Richter die Schadenshöhe des Suzuki-Eigners, weil dieser sein Gefährt mit einigen gebrauchten Teilen repariert und dann verkauft hatte. Man könne dann nicht die vollen Reparaturkosten geltend machen, sondern maximal die Differenz zwischen Wiederbeschaffungs- und Restwert. Schlecht für den Biker: Der Sachverständige hatte nur 1200 Mark als Restwert angegeben. Die Versicherung hatte jedoch 3100 Mark für das Unfall-Bike geboten. Da für das OLG kein Grund ersichtlich war, dieses Angebot nicht anzunehmen, zog es vom Wiederbeschaffungswert (7360 Mark) die höheren 3100 Mark ab. Max de Lange
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote