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Teilehandel

Wer seine havarierte Maschine schnell wieder flott haben möchte, aber knapp bei Kasse ist, greift gern auf preisgünstige Gebrauchtteile zurück.

Moderne Motorräder sind normalerweise ziemlich zuverlässig, außer den Verschleißteilen hält sich der Bedarf an Ersatzteilen in Grenzen. Aber wehe, es haut mal ein Pleuel aus dem Gehäuse, oder die Gabel wird bei einem Ausrutscher nachhaltig lädiert. Die originalen Ersatzteilpreise sind deftig, da sieht sich mancher nach preisgünstigen Alternativen um. Der Handel mit gebrauchten Teilen floriert, ob privat oder gewerblich. Über Fachzeitschriften, Anzeigenblätter, Internet oder Telefon suchen Fahrer oder Schrauber Sturz- oder Verschleißteile, um ramponierte Fahrzeuge oder marode Motoren wieder auf Vordermann zu bringen.Die Zahl der professionellen Gebrauchtteile-Spezialisten ist in den letzten Jahren stark gewachsen, der Ruf dieser Branche ist mittlerweile besser geworden. Zu den seriösen Firmen gehören sicherlich jene, die schon lange im Geschäft sind und sich im Lauf der Zeit einen soliden Ruf erarbeitet haben. So zum Beispiel Scheibner & Olk in Braunschweig, die als offizieller Triumph-Dealer neben Teilen der englischen Marke außerdem noch Second-Hand-Parts von Honda und Kawasaki anbieten, und das schon seit 1983. Der reichhaltige Lagerbestand rekrutiert sich aus Ankäufen von Teilen oder kompletten Unfallmaschinen, häufig werden aber auch intakte oder defekte Gebrauchtmaschinen verwertet. Seitdem die Rennstrecke in Oschersleben – nur gut 60 Kilometer vom Sitz von Scheibner & Olk entfernt – ab 1998 auch diverse Trainingsveranstaltungen im Programm hat, ist augenscheinlich der Bedarf an Teilen für beschädigte Vorderpartien an den 600er-Supersportlern von Honda und Kawasaki drastisch gestiegen. Dirk Gramse, rechte Hand von Geschäftsführer Andreas Olk, resümiert: »So viel Verkleidungsteile, Telegabeln, Cockpits, Lenker, Bremsscheiben, wie übers Jahr für Sportmaschinen gebraucht werden, können auch wir nicht immer beschaffen.«Auf zirka 500 Quadratmeter Lagerfläche stapelt sich denn in Regalen und penibel beschrifteten Kästen ziemlich viel an Teilen der drei Marken, was in den 90er Jahren gebaut wurde. Doch auch noch ältere Modell-Jahrgänge wie ganze Motoren der Honda CB 900 Bol d’Or der frühen 80er oder Diverses an Fahr- und Triebwerksteilen der Kawasaki GPZ 900-Reihe von 1980 wartet auf Interessenten. Bis 1998 stapelten sich die Anfragen über Fax, heute sind für erste Anfragen vorräangig das Telefon und für die definitive Bestellung dann das Internet die gängigen Kommunikationsmittel (www.gebrauchtteile.com). »In Stoßzeiten sind das schon mal bis zu 80 e-mails am Tag. Mit Raussuchen und dem täglichen Paketversand ist dann einiges geboten«, weiß Dirk Gramse. Alle Teile werden einer speziellen Kontrolle unterzogen, bevor sie den Besitzer wechseln. Über Preis und qualitativen Zustand, bei Verkleidungsteilen zum Beispiel die Tiefe der Kratzer, der Zustand des Lacks et cetera wird am Telefon genau Auskunft gegeben. Viele Interessenten informieren sich sehr zeitintensiv, bevor sie sich entscheiden.Bei Angeboten für den Ankauf wird bei Scheibner & Olk generell vorsichtig taktiert, Preisangebote werden ohne Sichtkontrolle der Parts nicht gegeben, man will selbst bei dringendem Bedarf nicht die Katze im Sack kaufen. Auch vergewissern sich die Braunschweiger grundsätzlich, ob die Teile nicht »heiß« sind. Denn nach wie vor landen viele gestohlene - oder als solche gemeldete - Maschinen auf dem Teilemarkt.
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