Salami, Striptease, Siebenmeilenstiefel (Archivversion)

Salami, Striptease und Siebenmeilenstiefel

Unsere mehrstufige Berichterstattung über die neuen Supersport-600er mag manchen Leserinnen und Lesern wie Salamitaktik vorkommen: Eben hat Testredakteur Jupp Schmitz noch im »Trockenkurs« die Technik von Honda CBR 600 R und Yamaha YZF-R6 untersucht, da werden schon die entsprechenden Fahrberichte angekündigt. Die Kollegen »Mini« Koch und Jörg Schüller packten Helme und Lederkombis, um in Frankreich und Australien bei den Pressepräsentation aus den viel bestaunten INTERMOT-»Stehzeugen« echte Fahrzeuge zu machen. Ihre Berichte beginnen auf den Seiten 14 und 28. Test und Vergleichstest nach dem bewährten MOTORRAD-Muster werden folgen.Verkaufstrick? Mitnichten, auch wenn die PR-Strategie der Hersteller mit einer zögerlichen Enthüllung der neuen Verkleideten auch uns eher an Striptease erinnert. Der Jahrgang 1999 hat so viel Aufmersamkeit verdient, denn nicht erst heute sind die potenten 600er die Speerspitze der technischem Entwicklung. Leichtbau, Literleistungen, Handling - welche Motorradkategorie bietet in diesen Disziplinen mehr? Versprochen werden von Honda für 1999 satte 110 Pferdestärken, Yamaha will gar auf wundersame Weise bis zu 120 PS mobilisieren - bei einem Trockengewicht von rund 170 Kilogramm. Technik pur, und diese Faszination macht schließlich ein erhebliches Stück der Motorrad-Faszination aus. Deshalb werden sicher auch viele Cruiser-Fahrer, Enduristen oder Tourer den Blick über den Segment-Gartenzaun werfen, um mit den anderen zu bestaunen, was in den neuen 600ern steckt. Längst haben die wilden Kleinen die alten Klassiker mit dreiviertel Liter Hubraum auch in der Käufergunst verdrängt. Spätestens Honda CBR 600 und Kawasaki ZX-6R haben bewiesen, daß enorme Leistung und Alltagstauglichkeit durchaus vereinbar sind. Der Weg zum Job, der Trip nach Südfrankreich oder die große Sause auf dem Nürburgring - die flotten Fours aus Japan bieten vieles. Vor allem viel Fahrspaß fürs Geld. Auch hier sind die 600er Vorbild. Wenn man an die Urmutter dieser Gattung zurückdenkt, haben sich Entwickler in Siebenmeilenstiefeln bewegt: Die Kawasaki GPZ 600 R galt 1985 mit 75 PS und 203 Kilogramm Trockengewicht als das Nonplusultra im Supersport-Bereich. Heute hätte sie keine Chance gegen die Nachfolger. Eigentlich schade, daß in anderen Motorradkategorien die Evolution nur eher langsam vorankommt. Es grüßt herzlich
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