Schulen für Zweiradmechanikermeister (Archivversion)

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Sein eigener Herr sein - wer träumt da nicht davon. Ohne Meistertitel läuft aber gar nichts. Welche Schulen bilden Zweiradmechaniker weiter?

»Mit dem Meister gehen einfach mehr Türen auf.« Für Olaf Seibold glasklar. Deshalb hat er sich zum Vorbereitungskurs angemeldet. Zusammen mit 22 Männern und einer Frau begann er am 13. Oktober an der neueröffneten Meisterschule fürs Zweiradmechaniker-Handwerk in der Breisacher Gewerbeschule. »Die Lehrer sind beim ersten Mal sehr motiviert«, begründet Michael Trocha seine Wahl. Denn obwohl Zweiradmechanik erst 1989 als eigenständiger Ausbildungsberuf anerkannt worden ist, konkurrieren bereits zwölf Schulen um die Gunst ambitionierter Gesellen. Der letztjährige Bundessieger beim Wettbewerb der Nachwuchsschrauber, Jochen Rehm, ist in Breisach ausgebildet worden und belegt deshalb auch den Meisterkurs dort. Dagegen sattelte der gelernte Kfz-Mechaniker Richard Metzger in letzter Sekunde um: »Ich wollte zuerst die Frankfurter Bundesfachschule besuchen. Aber der Kurs dort kostet 9200 Mark.« Bei den Breisachern, die aus Steuergeldern mitfinanziert werden, fällt statt Teilnahmegebühren nur ein 1700 Mark teurer Obulus für die Werkstattnutzung an. Doch gibt´s noch mehr Unterschiede: Von den 171 Meisteranwärtern im letzten Jahr ergatterten die Franfurter allein 75. Die größte Schule der Republik ist mit drei Werkstätten, 16 Motorrädern und Rollern, 24 Motoren und 65 Fahrrädern, einem Leistungsprüfungsstand und elektronischen Rahmenvermessungsanlagen ausgestattet. Hessische Superlative, die andere vor Neid erblassen lassen. Während in Saarbrücken und Hamburg Abendkurse üblich sind, locken zum Beispiel Konstanz, Breisach und Frankfurt mit ganztägigem Blockunterricht im Winter. »Ich arbeite in einem Zwei-Mann-Betrieb. Unmöglich könnte ich während der Saison fehlen«, erklärt Michael Trocha. »Oder nebenher noch was machen.«Voraussetzungen für die Aufnahme in eine Meisterschule sind eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens drei Jahre Tätigkeit als Zweirad-Schrauber. Der Unterricht, der in Frankfurt 1200 Stunden umfaßt, teilt sich zum einen in Fachtheorie und -praxis auf. Davon wiederum dreht sich der größte Teil um Motorräder, gefolgt von Fahrrädern und Behindertenfahrzeugen. Für alle werdenden Meister schließt sich dann die Kunde von Recht und Geschäft sowie Pädagogik an. Derzeit basteln Schulvertreter und Bundesinnung noch an Rahmenrichtlinien für die Lehrpläne. »Das Ziel ist eine verbesserte bundeseinheitliche Ausbildung«, sagt Wolfgang Hees, Düsseldorfer Bundesinnungsmeister. Ein akuter Mangel an Fachkräften besteht zwar nicht mehr. »Ein Geselle wird aber in der Regel noch einen Arbeitsplatz bekommen. Für Meister besteht die Möglichkeit, auszubilden, sich selbständig zu machen oder auch einen Betrieb zu übernehmen, was nach der Altersstruktur unserer Mitglieder naheliegt«, so Ekkehard Arnold vom Bundesinnungsverband (Telefon 0211/3006520).
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