Speedway-Wettstreit der Testfahrer (Archivversion)

Gaaaaas

Sportlicher Wettstreit verbindet Völker. Sogar BMW-Versuchsfahrer und MOTORRAD-Journalisten.

Leugnen wäre zwecklos: Beim Speedway-Fahren im Landshuter Stadion hatte die MOTORRAD-Testfahrer 1994 trotz kompromißloser Einsatzbereitschaft gegen die versammelte Creme der BMW-Versuchspiloten den zweiten von zwei Plätzen gemacht (MOTORRAD 21/1994). Diese Schmach wollte keiner der Beteiligten auf sich sitzenlassen. Die BMW-Crew mit ihren eigenen Waffen - sprich R 1100 GS - zu übertrumpfen sollte des sicheren Sieges süßes Sahnehäubchen sein. Da traf sich’s gut, daß im Sommer des folgenden Jahres auf der Landshuter Speedway-Piste nach einem Supercross-Rennen noch ein paar Tonnen Erde herumlagen.Eine GS ist allerdings kein Crosser, und so bedurfte es einiger verfeinernder Eingriffe, um die Strecke für das motorsportliche Ereignis des Jahres zu präparieren. An einem Julinachmittag ist es soweit: Die Gladiatoren ziehen unter den erwartungsvollen Blicken ihrer Chefs ins Stadion ein. Drei Minuten freies Training für jeden, erste Proteste (»Viel zu kurz!«) verstummen nach Proberunden und Zeittraining mit schwerem GS-Gerät auf der üblen Buckelpiste: »Das geht ja tierisch an die Kondition!«Da seitens der Chefs ein gewisses Interesse am Überleben wenigstens einiger Teilnehmer besteht, beschränkt sich der Wettstreit auf zwei Runden Mann gegen Mann und auf zwei Läufe für jedes Duo. Aus dramaturgischen Gründen starten die im Training langsameren Fahrer als erste. Im Clinch mit dem Leiter des BMW-Fahrwerksversuchs Bert Hauser verläßt Rainer Bäumel in einer welligen Linkskurve die Bahn, durchbricht die Strohballen und prüft anschließend die Bodenbeschaffenheit. »Wenn so ein Brocken mal aus der Spur gerät, ist sie nicht mehr zu halten«, kommentiert der Technikredakteur sein Mißgeschick. Auch die MOTORRAD-Testfahrer Helmut Faidt und Holger Hertneck müssen ihren BMW-Gegnern Alex Mayer und Andi Fastner den Vortritt lassen - drei zu null für BMW.Spannend wird’s, als BMW-Entwicklungschef Wolfgang Dürrheimer gegen Test-Redakteur Gerhard Lindner antritt. Schwer krachen die GS nach Sprüngen in die Federn, DM-Fahrer Lindner läßt nichts anbrennen und entscheidet den Lauf mit knappem Vorsprung für sich. Laszlo Peres aus der Riege der BMW-Entwickler und MOTORRAD-Servicechef Gert Thöle kämpfen ebenso verbissen, diesmal gewinnt Peres. Erst Cross-Profi Peter Mayer kann seinen schnellen BMW-Kontrahenten Markus Theobald deutlich distanzieren. Trotzdem: vier zu zwei für BMW.Das Blatt zu wenden soll im zweiten Durchgang gelingen. Doch die BMW-Fahrer sind in den ersten drei Läufen nicht zu schlagen. Mit dem Mut der Verzweiflung legen sich Gegesch Lindner, Gert Thöle und Peter Mayer in den letzten drei Läufen ins Zeug und machen Punkte. Zum Gleichstand reicht’s nicht mehr, von insgesamt zwölf Läufen gehen sieben an BMW. Der Testfahrer-Wanderpokal bleibt, wo er ist - in München. Aber die Stuttgarter, das ist beschlossene Sache, geben nicht auf: Wir sehen uns wieder. Und dann gewinnen wir. Gaaanz bestimmt.
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