Spirit Tour 2004: Impressionen (Archivversion)

SpaSS Kultivieren

Girlies grooven fett
sich in Ekstase, Harley probt den Aufstand, und Monster-V2 plustert sich auf. Derweil trauen sich Sportfreunde
Stiller, eine Band aus Bayern, die Vizemeisterschaft ihres FC zu
beklagen. Und keiner pfeift? Doch. Der Alkotester von Nicole.
Da hat Alexander reingeblasen. Über 0,5
Promille. Schade. Mit weniger Bier wären
sie sich näher gekommen. Auf BMW F 650. Dabei hat Alexander sich schon so gefreut auf sein allererstes
Mal. Auf dem Southside Festival sollte es
passieren. Vor 40000 Menschen. In aller
Öffentlichkeit. Nein – nicht was Sie schon
wieder denken:
Alexander ist kein
Exhibitionist, er ist
motorradgeil.

Nach dem Pfiff des Alkotesters fasst Alexander einen heroischen Entschluss: kein Bier mehr. Eine wilde Festivalnacht lang. Gut, dass auch Freund Nils aufs Motorrad will. Gemeinsam bleiben sie stark, bleiben sie nüchtern. In Erwartung des ultimativen Rauschs // Von den 43 Bands, die an den drei Tagen des Southside Festivals auftreten, dürfte kaum eine zum
Musikrepertoire einer Biker-Kneipe zählen. Irish Punk aus Boston, Rap aus Stuttgart und Hamburg, Gitarrenpop aus München. Noch nie habe es so viel und so gute Musik gegeben wie heute, war unlängst im Wochenblatt »Die Zeit« zu lesen, doch kaum einer kriege das mit. Weil das weich gespülte Radio Klänge abseits des Mainstreams schnöde ignoriert. Die 40000 Leute auf dem Flughafen bei Neuhausen ob Eck tun das nicht, zahlen sogar eine Menge Geld dafür. »Ein Autogramm von PJ Harvey«, schwärmt Engel, die so heißt, weil sie sich selbst Flügel verleiht, äußerst
dekorative übrigens, »und ich wäre im siebten Himmel« // In und aus einem Pavillon mit
riesigem V2 an der Tür knallt »Born to Be Wild«. Nicht von Steppenwolf. »Das ist unsere Hymne«, sagt Günter Kesselring, »wir müssen sie in unsere Zeit transponieren.« Deshalb hat er den Klassiker von der Punkband Superstarfuckers liften lassen. Dröhnt brillant, wahrlich (runterzuladen unter www.spirit-tour.de) // Kesselring, Ex-Punker, Pädagoge und nunmehr dem Skater-Imperium Titus zu Diensten, hatte die Idee, mit dem Motorrad dorthin
zu gehen, »wo die Leute sind, die das leben, was das Motorrad einst verkörperte: Rebellion, Fortschritt, Freiheit, Sex und Gefahr«. Zu Dropkick Murphys und The Hives eben, und nicht zu Phil Collins’ First Farewell-Konzert. Aus gutem Grund hat VW Sondermodelle des Golf zielgruppengerecht nach Rockstars benannt – Bon Jovy, Pink Floyd. Nach Dinosauriern halt, die Mama und Papa hören // Zum Chillen – früher hieß das relaxen, noch früher entspannen – laufen im Innern der Spirit Area verrückte Motorradvideos, derweil draußen Stunts die Massen ziehen und Führerscheinlose bei Nicole und Georg von MOTORRAD erste Fahrversuche machen. Für lau // Cherokee-Jim ist früher Yamaha FZR 1000 geritten. »Klasse, die Stunts«, lobt der Indianer, »aber ich habe das Gefühl, dass Übles droht. Deshalb sende ich einen guten Geist zur Spirit Area hinüber.« Auch Engel, die Motorräder himmlisch findet, schwant was, will deshalb bei Kevin Carmichael, Stunt-Crack aus Schottland, hinten drauf. »Mit einem Schutzengel kann ihm nichts passieren« // Selbst Engel können irren. Nicht Kevin, sondern sein
Kollege Rainer Schwarz erleidet Ungemach: Der Urbayer macht einen überpeniblen Ordner platt und wird fortan, weil die Security
Gelüste der Rache hegt, nicht mehr an seinem Arbeitsplatz gesehen // Pavillon und Show gibt es nicht umsonst, das muss jemand
bezahlen. Eine ehrenvolle Aufgabe, die der Industrie-Verband Motorrad (IVM) erledigt. »Das schlägt sich nicht unmittelbar in den Zulassungszahlen nieder«, betont IVM-Geschäftsführer Rainer Brendicke. »Aber irgendwie müssen wir an die Jungen ran, die Motorradfahrer werden ja immer älter.« Nicht nur statistisch betrachtet // Pünktlich um 13 Uhr finden Alexander und Nicole endlich zueinander.
Auf BMW F 650. »Ich komme aus einer Familie, in der fast alle was mit Autos machen, ein Onkel ist im Vorstand von Fiat Deutschland.« Nicht nur der wird Augen machen. Wenn
Alexander mit dem Motorrad vorfährt // Vom 13. bis 15. August gastiert die Spirit Area
auf dem Highfield Festival am Stausee
Hohenfelden. Infos: www.spirit-tour.de.
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