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MOTORRAD-Redakteur Michael Rohrer über den Fall Haga

Noriyuki Haga war beim Superbike-WM-Auftakt Anfang April im südafrikanischen Kyalami gedopt. Der Japaner hatte, wenn auch wahrscheinlich aus Unwissenheit, ein Muskelaufbaupräparat nicht rechtzeitig vor Saisonbeginn abgesetzt. Das Mittel enthielt den auf der Dopingliste stehenden Wirkstoff Ephedrin. Statt den Sünder sofort nach Regeln des Internationalen Olympischen Kommiteés (IOC) zu bestrafen, die auch für den Motorsport gelten - Disqualifikation und maximal drei Monate Sperre -, zickte der internationale Motorradsportverband FIM ewig lange herum, um sich am Ende zusammen mit der Sportgerichtsbarkeit der Lächerlichkeit preiszugeben.Bis einen Tag vor Beginn des WM-Finales in Brands Hatch am 12. Oktober zogen die von panischer Entscheidungsangst befallenen Funktionäre den Haga-Fall wie alten Kaugummi durch die gesamte Saison. Um dann ein äußerst kurioses Urteil zu fällen: Noriyuki Haga bleibt nur für den zweiten Lauf in Kyalami, den er gewonnen hatte, disqualifiziert. Die 20 WM-Punkte für den zweiten Platz in Rennen eins werden ihm wieder gutgeschrieben. Die Sperre, schon im Laufe der Saison vom maximalen Strafmaß auf drei Wochen gesenkt, wurde noch mal um eine Woche reduziert, aber sofort in Kraft gesetzt.Haga war, nicht anders ist dieser Spruch des den Sportverbänden übergeordneten Gerichts CAS zu verstehen, ein bisschen gedopt. Für den Piloten ist der Effekt derselbe wie die Höchststrafe. Die Chance auf den WM-Titel wurde ihm am grünen Tisch abgenommen - zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Und das ist die eigentliche Katastrophe: Wegen einem technischen Regelverstoß wird ein Fahrer sofort nach dem Rennen bestraft, warum geht das nicht bei Dopingfällen? Die Regeln sind genau so klar.
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